Verband

Der Verband Deutscher Sinti  & Roma – Landesverband Rheinland Pfalz wurde am 3. November 1983 gegründet und ist Mitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der seit Februar 1982 besteht. Er setzt sich für die gesellschaftliche Gleichbehandlung und Wahrung der kulturellen Eigenständigkeit der Sinti und Roma ein. Schutz und Förderung ihrer Kultur sollen garantiert, der inzwischen gesetzlich verankerte Minderheitenschutz gewährleistet werden. Öffentlichkeits- und Informationsarbeit tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen.


AKTUELLES

Generalprobe zum Völkermord

PRESSEMITTEILUNG

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz gedenkt am 16. Mai 1940 der familienweisen Deportation von Sinti und Roma in das nationalsozialistisch besetzte Polen

Mit Beginn des 16. Mai 1940 wurden die Deportationen von Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager erstmals familienweise durchgeführt. An diesem Tag begann vor 82 Jahren die systematische Vernichtung von Sinti und Roma während der NS-Zeit. Diese Aktion galt gleichzeitig als Testlauf für die Massendeportationen und sollte zur Optimierung der organisatorischen Abläufe und der Zusammenarbeit von Reichssicherheitshauptamt, Ortspolizei und Reichsbahn dienen. Die Nationalsozialisten wollten erproben, ob es möglich ist, so viele Menschen zu transportieren und diese zu überwachen. Weiterhin sollte geprüft werden, ob und inwieweit die verhafteten Menschen Widerstand leisten würden und wie die Bevölkerung auf diese öffentliche Massendeportation reagieren würde. Die Sinti und Roma-Familien aus Mainz, Landau, Ingelheim, Worms, Ludwigshafen und der restlichen Süd-Pfalz wurden zuerst in das Sammellager Hohenasperg gebracht, während man die Familien aus den Regionen Koblenz und Trier in ein Sammellager auf dem Kölner Messe-Gelände transportierte. In den Sammellagern angekommen wurden alle Familienmitglieder nochmals „rassenkundlich“ auf die Zugehörigkeit zur Minderheit untersucht. Nachdem sie ihre Ausweispapiere abgeben mussten, erhielten sie einen sogenannten „Zigeunerausweis“. Wenige Tage später wurden die insgesamt 2.800 Sinti und Roma in die Viehwaggons der Reichsbahn gepfercht und in die Ghettos und Konzentrationslager des von den Nationalsozialisten besetzten Polens transportiert. Folter und Terror der SS, sowie Appelle und schwerste Zwangsarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und katastrophalen hygienischen Bedingungen bestimmten den Alltag in den Ghettos und Konzentrationslagern. Bis zu 500.000 Sinti und Roma in Europa wurden in der NS-Zeit ermordet.
Um den Opfern dieser Deportationen würdig zu gedenken, finden an den dafür vorgesehenen Gedenkorten Kranzniederlegungen statt, bei denen auch die jeweilige Kommune vertreten sein wird.

KOBLENZ, 15. Mai 2022, 11.00 Uhr Gedenkstein am Peter-Altmeier-Ufer, Höhe Kastorstraße

LANDAU, 16. Mai 2022, 12.00 Uhr Gedenktafel am Frank-Loebschen-Haus in der Kaufhausgasse 9

LUDWIGSHAFEN, 16. Mai 2022, 11.00 Uhr Gedenkstele am Rathausplatz (Seite zum Ludwigsplatz)

MAINZ, 16. Mai 2022, 11.00 Uhr Gedenkstele in der Altenauergasse 7-9

WORMS, 16. Mai 2022, 10.00 Uhr Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Lutherplatz (Adenauerring)

TRIER, 16. Mai 2022, 11.00 Uhr Gedenkort am Bischof-Stein-Platz

HOHENASPERG (BW), 21. Mai 2022, 13.00 Uhr Gedenktafel am Bahnhof Asperg in der Alleenstr. 1; (Außerhalb der Stadt befand sich das Sammellager der Festung Hohenasperg).

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Virtuelle Lesung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Der Rheinland-Pfälzische Landesverband deutscher Sinti und Roma (VDSR) erinnert in Form einer Online-Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus. Hintergrund der Veranstaltung ist die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers AuschwitzBirkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. Während der NS-Zeit ermordeten die
Nazis in Auschwitz über 1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder, darunter Juden, Sinti und Roma und andere Verfolgte. Mit dieser Gedenkfeier möchte der VDSR das Bewusstsein für den Antiziganismus schärfen, der in Europa immer mehr zunimmt und letztlich als Grundlage für die Ermordung der etwa 500.000 Sinti und Roma während des NS-Regimes diente.
Im Fokus der Veranstaltung stehen Lesungen, die von den Urenkeln der Zeitzeugen vorgetragen werden. Mit Lebensberichten und Gedichten wird den Zuhörern ein Einblick in die einzelnen Leidensgeschichten gewährt, die unter Anderem verdeutlichen, welche Auswirkungen Rassismus in der NS-Zeit hatte.
Der Landesverband lädt Sie ein, dieses Gedenken virtuell zu begleiten. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, die Veranstaltung wird auf www.youtube.com live übertragen. Sie wird außerdem einige Tage später in der Mediathek des Landesverbands zur Verfügung gestelltwerden.

Tag der Veranstaltung: Donnerstag, 27. Januar 2022, 19:00 Uhr

Ort: Online-Livestream wird übertragen auf
https://www.youtube.com/channel/UClDM2THWF-LN2zowGb_E0vQ

Stellenangebot -Praktikant/-in in Teilzeit ab 01. Januar 2022

Unser Verein setzt sich seit 35 Jahren für die Interessen der Sinti und Roma ein. Die Gesellschaftliche Gleichbehandlung bzw. Erhalt der kulturellen Identität und Eigenständigkeit steht im Fokus unserer Aktivitäten.

Eine seiner Hauptaufgaben besteht darin über Antiziganismus, Rassismus und Rechtsextremismus bzw. deren Folgen aufzuklären. Durch Informationen will der Verband Vorurteilen entgegenwirken und das öffentliche Bewusstsein für die Situation der Sinti und Roma stärken.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt stellt die soziale Beratung unserer Mitglieder und Minderheitenangehöriger dar. Darüber hinaus engagieren wir uns in der aktiven Förderung und Pflege der Kultur und Sprache der Sinti und Roma.


Die ausgeschriebene Tätigkeit als Praktikant/-in hat einen Umfang von 16 Stunden pro Woche.

Die Aufgaben
Mitwirkung bei Projektarbeit in verschiedenen Bereichen
Unterstützung bei Social-Media Auftritt
Unterstützung bei der Erstellung von Datenbanken (Medien Archiv, Bücher Archiv)
Unterstützung bei der Informationsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit
Unterstützung bei allgemeinen Bürotätigkeiten

Das Profil
Die Interessenvertretung unserer Minderheit sollte Ihnen am Herzen liegen. Wir wünschen uns von Ihnen Interesse am Thema und an der Arbeit, soziale und interkulturelle Kompetenz, Kommunikationsstärke und Organisationsgeschick.

Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte in elektronischer Form (PDF-Datei) an:

Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, Schlossstraße 4, 76829 Landau.

E-Mail: info@vdsr-rlp.de. Bei Rückfragen richten Sie sich bitte

innerhalb unserer Geschäftszeiten an Frau Maria Schied und Frau Larisa Leitz Tel. 06341-85053.

Pressemitteilung VDSR

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, verurteilt den Polizeieinsatz im tschechischen Teplice scharf!

Medienberichten zufolge starb ein Mann aus der Roma-Minderheit nach einem Polizei-Einsatz am Samstag im nordböhmischen Teplice auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein im Internet kursierendes Video zeigt, wie zeitweise drei Polizisten auf ihm sitzen und einer der Beamten sein Knie minutenlang in dessen Hals drückt.

Selbst als der Mann regungslos am Boden liegt, fährt einer der Polizisten mit seiner Aktion fort. Als nach dem Einsatz beim Festgenommenen kein Lebenszeichen mehr zu erkennen war, wurde ein Rettungswagen alarmiert. Der Mann verstarb laut Angaben der Polizei noch während des Rettungseinsatzes.

Jacques Delfeld, 1. Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt das brutale Vorgehen der tschechischen Polizisten scharf. „Wir fordern die zuständigen Stellen auf, umgehend für vollständige Aufklärung zu sorgen und Ermittlungen gegen alle an dem Vorfall beteiligten Beamten aufzunehmen. Angesichts der offensichtlich unverhältnismäßigen Polizeigewalt gegenüber dem Roma-Angehörigen Stanislav Tomá müssen die beteiligten Polizisten zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht sein, dass sich die tschechische Justiz hier aus ihrer Verantwortung stiehlt.“

Nach diversen Medienberichten wurden Augenzeugen von der Polizei gebeten, nicht mit Medienvertretern über den Vorfall zu sprechen, solange hierzu die offizielle Untersuchung laufe. Diese solle die Todesursache klären und darüber hinaus prüfen, ob das polizeiliche Vorgehen angemessen gewesen sei.

Der Fall erinnert in frappierender Weise an den Fall des Schwarzen George Floyd aus den USA. Sogar die erste Reaktion der Polizei weist Parallelen auf. Diese erklärt, der Tod von Stanislav Tomá sei aufgrund einer Drogenüberdosis und eines Herzfehlers erfolgt.

Erst am 21.04.2021 erklärte der 1. Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, in seiner Presseerklärung, dass er mit dem Urteil gegen die Mörder von George Floyd die Erwartung verbinde, dass der polizeiliche Rassismus weltweit bekämpft werde. Diese Hoffnung habe sich nun mit den Ereignissen am vergangenen Samstag erledigt, so Delfeld. „Ich bin weiterhin darüber empört, dass sich der tschechische Innenminister Jan Hamacek hinter die an der Aktion beteiligten Polizisten stellt und öffentlich erklärt, sie hätten seine volle Unterstützung. Herr Hamacek sollte sich an die pogromartigen Übergriffe gegen Roma aus dem Jahr 2011 im tschechischen Rumburk und Varnsdorf erinnern und endlich anerkennen, dass es offensichtlich ein Antiziganismus-Problem in der tschechischen Gesellschaft gibt.“.

Wie in vielen europäischen Ländern gibt es auch in Tschechien einen tief verwurzelten gesellschaftlichen Antiziganismus, der ursächlich für den ungehemmten Rassismus gegenüber Roma ist.

Delfeld fordert nun einen Akt der Solidarität mit den Betroffenen. Es sei unglaubwürdig, wenn die EU die Verstöße gegen Menschenrechte in China anprangert, aber vor der eigenen Haustür solche Missstände duldet. Die europäische Gemeinschaft muss – ebenso wie bei George Floyd – deutlich machen, dass sie nicht bereit ist Rassismus in ihren Gesellschaften zu dulden, erst recht nicht in staatlichen Institutionen. Die EU muss jetzt deutlich machen, dass die Bekämpfung des Antiziganismus nicht allein die Aufgabe von Selbstorganisationen ist, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung begriffen werden muss.

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz trauert um den HolocaustÜberlebenden Willi Georg aus Mainz

Willi Georg, langjähriges Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz ist am 16.05.2021 im Alter von 80 Jahren verstorben. Er wurde am 30.12.1940 in Kassel geboren und überlebte drei Konzentrationslager. Die gesamte Familie von Willi Georg wurde 1942 verhaftet und deportiert. Er war einer der wenigen Überlebenden der Konzentrationslagen Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen und Mauthausen.

Der Vorstand und die Mitarbeiter:innen sehen sein Hinscheiden als einen großen Verlust für die Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma an. Bis zum Schluss unterstützte Willi Georg den Landesverband mit seinem Engagement.

„Ich bedauere es zutiefst, dass wir nun Abschied von Herrn Georg Willi nehmen müssen“ so Jacques Delfeld, „mit seinem Tod fehlt unwiederbringlich eine wichtige Persönlichkeit und Identifikationsfigur unter den Mainzer Sinti. Der Landesverband trauert gemeinsam mit allen Angehörigen und drückt sein aufrichtiges Beileid zum Tod von Willi Georg aus.“

Jacques Delfeld Sr.

1.Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma,

Landesverband Rheinland-Pfalz

Bürgerrechtspreis 2021

Die Preisverleihung findet am 28. April 2021 um 14:30 Uhr statt und wird live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen

Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose.

SWR Fernsehen

KAMPF GEGEN KLISCHEES, VORURTEILE UND AUSGRENZUNG

Deutsche Sinti und Roma

Hier können Sie das Sendungsvideo in voller Länge anschauen

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/gutzuwissen/video-1732-sintiundroma-100.html

zum 50. Jahrestages des Internationalen Roma-Tages

Am 8. April jährt sich zum 50. Mal der internationalen Roma-Tag, der im Jahr 1971, als erster internationaler Kongress von Roma-Repräsentanten in Orpington, in der Nähe von London, stattfand. An diesem Kongress nahmen Repräsentanten aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn, Irland, Spanien, Jugoslawien, Finnland, Norwegen, Belgien, Kanada, Indien und den Vereinigten Staaten teil.

In Deutschland und im europäischen Kontext erinnern am 8. April regelmäßig Roma und Nicht-Roma an die Opfer des Nationalsozialismus. Neben der historischen Erinnerung ist es ein Anliegen des internationalen Roma-Tages, auf die gegenwärtig existierenden Ressentiments, Diskriminierungen und Ausgrenzungen von Sinti und Roma aufmerksam zu machen. In osteuropäischen Ländern, darunter Rumänien, wird der 8. April seit 1990 als Roma Tag gefeiert und in Nord-Mazedonien ist er als Nationalfeiertag anerkannt.

Jacques Delfeld Senior, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz, möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, um daran zu erinnern, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma in alarmierender Weise zunimmt und die Minderheit vielfach wieder von antiziganistischen Ressentiments betroffen ist.

Im aktuellen Kontext der COVID-19-Pandemie erhält der Landesverband Berichte über rassistische Übergriffe, die sich gegen Sinti und Roma in EU-Mitgliedsländern richten.

„Es benötigt nach wie vor die Anstrengung vieler Akteure auf lokaler, nationaler und EU- Ebene, um antiziganistische Ressentiments zu bekämpfen. Erst kürzlich gedachte der Landesverband der jungen Sinti und Roma, die bei den Anschlägen in Hanau im Jahr 2020 ermordet wurden. In einigen Ländern dienen Sinti und Roma schon wieder als Sündenböcke für die aktuelle Corona Krise“, so Jacques Delfeld Senior.

Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz verurteilt jegliche rassistische Gewalt gegen die Sinti und Roma, in Deutschland ebenso wie in Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Der Verband fordert die Politik und die gesellschaftlichen Institutionen auf, hier Verantwortung zu übernehmen, um die Minderheit zu schützen und Vorurteile gegen diese öffentlich zu bekämpfen.

Der Kampf gegen Rassismus und/oder extremistischer Gewalt muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Darüber hinaus ist es notwendig, dass Sinti und Roma einen barrierefreien Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Wohnung und Gesundheit erhalten, um eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen.