Verband

Der Verband Deutscher Sinti  & Roma – Landesverband Rheinland Pfalz wurde am 3. November 1983 gegründet und ist Mitglied im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, der seit Februar 1982 besteht. Er setzt sich für die gesellschaftliche Gleichbehandlung und Wahrung der kulturellen Eigenständigkeit der Sinti und Roma ein. Schutz und Förderung ihrer Kultur sollen garantiert, der inzwischen gesetzlich verankerte Minderheitenschutz gewährleistet werden. Öffentlichkeits- und Informationsarbeit tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen.

Pressemitteilung VDSR

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, verurteilt den Polizeieinsatz im tschechischen Teplice scharf!

Medienberichten zufolge starb ein Mann aus der Roma-Minderheit nach einem Polizei-Einsatz am Samstag im nordböhmischen Teplice auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein im Internet kursierendes Video zeigt, wie zeitweise drei Polizisten auf ihm sitzen und einer der Beamten sein Knie minutenlang in dessen Hals drückt.

Selbst als der Mann regungslos am Boden liegt, fährt einer der Polizisten mit seiner Aktion fort. Als nach dem Einsatz beim Festgenommenen kein Lebenszeichen mehr zu erkennen war, wurde ein Rettungswagen alarmiert. Der Mann verstarb laut Angaben der Polizei noch während des Rettungseinsatzes.

Jacques Delfeld, 1. Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt das brutale Vorgehen der tschechischen Polizisten scharf. „Wir fordern die zuständigen Stellen auf, umgehend für vollständige Aufklärung zu sorgen und Ermittlungen gegen alle an dem Vorfall beteiligten Beamten aufzunehmen. Angesichts der offensichtlich unverhältnismäßigen Polizeigewalt gegenüber dem Roma-Angehörigen Stanislav Tomá müssen die beteiligten Polizisten zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht sein, dass sich die tschechische Justiz hier aus ihrer Verantwortung stiehlt.“

Nach diversen Medienberichten wurden Augenzeugen von der Polizei gebeten, nicht mit Medienvertretern über den Vorfall zu sprechen, solange hierzu die offizielle Untersuchung laufe. Diese solle die Todesursache klären und darüber hinaus prüfen, ob das polizeiliche Vorgehen angemessen gewesen sei.

Der Fall erinnert in frappierender Weise an den Fall des Schwarzen George Floyd aus den USA. Sogar die erste Reaktion der Polizei weist Parallelen auf. Diese erklärt, der Tod von Stanislav Tomá sei aufgrund einer Drogenüberdosis und eines Herzfehlers erfolgt.

Erst am 21.04.2021 erklärte der 1. Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, in seiner Presseerklärung, dass er mit dem Urteil gegen die Mörder von George Floyd die Erwartung verbinde, dass der polizeiliche Rassismus weltweit bekämpft werde. Diese Hoffnung habe sich nun mit den Ereignissen am vergangenen Samstag erledigt, so Delfeld. „Ich bin weiterhin darüber empört, dass sich der tschechische Innenminister Jan Hamacek hinter die an der Aktion beteiligten Polizisten stellt und öffentlich erklärt, sie hätten seine volle Unterstützung. Herr Hamacek sollte sich an die pogromartigen Übergriffe gegen Roma aus dem Jahr 2011 im tschechischen Rumburk und Varnsdorf erinnern und endlich anerkennen, dass es offensichtlich ein Antiziganismus-Problem in der tschechischen Gesellschaft gibt.“.

Wie in vielen europäischen Ländern gibt es auch in Tschechien einen tief verwurzelten gesellschaftlichen Antiziganismus, der ursächlich für den ungehemmten Rassismus gegenüber Roma ist.

Delfeld fordert nun einen Akt der Solidarität mit den Betroffenen. Es sei unglaubwürdig, wenn die EU die Verstöße gegen Menschenrechte in China anprangert, aber vor der eigenen Haustür solche Missstände duldet. Die europäische Gemeinschaft muss – ebenso wie bei George Floyd – deutlich machen, dass sie nicht bereit ist Rassismus in ihren Gesellschaften zu dulden, erst recht nicht in staatlichen Institutionen. Die EU muss jetzt deutlich machen, dass die Bekämpfung des Antiziganismus nicht allein die Aufgabe von Selbstorganisationen ist, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung begriffen werden muss.

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz trauert um den HolocaustÜberlebenden Willi Georg aus Mainz

Willi Georg, langjähriges Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz ist am 16.05.2021 im Alter von 80 Jahren verstorben. Er wurde am 30.12.1940 in Kassel geboren und überlebte drei Konzentrationslager. Die gesamte Familie von Willi Georg wurde 1942 verhaftet und deportiert. Er war einer der wenigen Überlebenden der Konzentrationslagen Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen und Mauthausen.

Der Vorstand und die Mitarbeiter:innen sehen sein Hinscheiden als einen großen Verlust für die Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma an. Bis zum Schluss unterstützte Willi Georg den Landesverband mit seinem Engagement.

„Ich bedauere es zutiefst, dass wir nun Abschied von Herrn Georg Willi nehmen müssen“ so Jacques Delfeld, „mit seinem Tod fehlt unwiederbringlich eine wichtige Persönlichkeit und Identifikationsfigur unter den Mainzer Sinti. Der Landesverband trauert gemeinsam mit allen Angehörigen und drückt sein aufrichtiges Beileid zum Tod von Willi Georg aus.“

Jacques Delfeld Sr.

1.Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma,

Landesverband Rheinland-Pfalz

Bürgerrechtspreis 2021

Die Preisverleihung findet am 28. April 2021 um 14:30 Uhr statt und wird live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen

Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose.

SWR Fernsehen

KAMPF GEGEN KLISCHEES, VORURTEILE UND AUSGRENZUNG

Deutsche Sinti und Roma

Hier können Sie das Sendungsvideo in voller Länge anschauen

https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/gutzuwissen/video-1732-sintiundroma-100.html

zum 50. Jahrestages des Internationalen Roma-Tages

Am 8. April jährt sich zum 50. Mal der internationalen Roma-Tag, der im Jahr 1971, als erster internationaler Kongress von Roma-Repräsentanten in Orpington, in der Nähe von London, stattfand. An diesem Kongress nahmen Repräsentanten aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn, Irland, Spanien, Jugoslawien, Finnland, Norwegen, Belgien, Kanada, Indien und den Vereinigten Staaten teil.

In Deutschland und im europäischen Kontext erinnern am 8. April regelmäßig Roma und Nicht-Roma an die Opfer des Nationalsozialismus. Neben der historischen Erinnerung ist es ein Anliegen des internationalen Roma-Tages, auf die gegenwärtig existierenden Ressentiments, Diskriminierungen und Ausgrenzungen von Sinti und Roma aufmerksam zu machen. In osteuropäischen Ländern, darunter Rumänien, wird der 8. April seit 1990 als Roma Tag gefeiert und in Nord-Mazedonien ist er als Nationalfeiertag anerkannt.

Jacques Delfeld Senior, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz, möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, um daran zu erinnern, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma in alarmierender Weise zunimmt und die Minderheit vielfach wieder von antiziganistischen Ressentiments betroffen ist.

Im aktuellen Kontext der COVID-19-Pandemie erhält der Landesverband Berichte über rassistische Übergriffe, die sich gegen Sinti und Roma in EU-Mitgliedsländern richten.

„Es benötigt nach wie vor die Anstrengung vieler Akteure auf lokaler, nationaler und EU- Ebene, um antiziganistische Ressentiments zu bekämpfen. Erst kürzlich gedachte der Landesverband der jungen Sinti und Roma, die bei den Anschlägen in Hanau im Jahr 2020 ermordet wurden. In einigen Ländern dienen Sinti und Roma schon wieder als Sündenböcke für die aktuelle Corona Krise“, so Jacques Delfeld Senior.

Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz verurteilt jegliche rassistische Gewalt gegen die Sinti und Roma, in Deutschland ebenso wie in Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Der Verband fordert die Politik und die gesellschaftlichen Institutionen auf, hier Verantwortung zu übernehmen, um die Minderheit zu schützen und Vorurteile gegen diese öffentlich zu bekämpfen.

Der Kampf gegen Rassismus und/oder extremistischer Gewalt muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Darüber hinaus ist es notwendig, dass Sinti und Roma einen barrierefreien Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Wohnung und Gesundheit erhalten, um eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen.