Der VDSR und seine Geschichte

Der VDSR und seine Geschichte

Unser Verband setzt sich für die Rechte und Interessen der Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz ein. Wir stellen uns gegen Rassismus, Antiziganismus und Rechtsextremismus und möchten aufklären und weiterbilden.

Der Verband Deutscher Sinti & Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz mit Sitz in Landau gründete sich 1983 als dritter von neun Landesverbänden im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Südpfälzer Sinti-Familien hatten den Verein mit dem Ziel ins Leben gerufen eine Selbstvertretung zu organisieren.
Die Bürgerrechtsarbeit konnte seither wichtige Erfolge erzielen, wie z.B. Anerkennung des Völkermordes an Sinti und Roma, Aufhebung der polizeilichen/behördlichen Sondererfassungen und die Rahmenvereinbarung , die der rheinland-pfälzische Landesverband mit dem Land Rheinland-Pfalz 2005 abgeschlossen hat.

Von Anfang an sah der Verband es als eine Hauptaufgabe an, über Rassismus, Rechtsextremismus, Antiziganismus und die Folgen aufzuklären. Durch Aufklärung und Informationen will er Vorurteile abbauen und die gesellschaftlichen Beiträge der Minderheit für eine Öffentlichkeit sichtbar machen. Vorurteile und Klischees bilden die Grundlage für die individuelle und strukturelle Gewalt, die Sinti und Roma erfahren.

Antiziganismus basiert auf über Jahrhunderte gewachsenen Denk- und Vorurteilsstrukturen. Diese konstruieren ein fiktives „Zigeuner“-Bild und schreiben diesem pauschal negative Eigenschaften zu. Von diesen Zuschreibungen sind neben Sinti und Roma auch immer wieder Jenische, Schausteller*innen, Künstler*innen, mobile Handwerker*innen oder Händler*innen betroffen. Diese jahrhundertelange Geschichte von Abwertung übersetzt sich für Sinti und Roma in eine jahrhundertelange Unterdrückungsgeschichte, die in den Völkermord im Nationalsozialismus gipfelte.

Der Verband ist Ansprechpartner für alle Sinti und Roma. Seit dem Jahr 1984 gibt es eine Beratungsstelle in Landau. Der Verband wendet sich an die Öffentlichkeit, um auf Missstände, strukturellen Rassismus und Antiziganismus hinzuweisen. Er berät und unterstützt die Überlebenden des Völkermords, und deren Angehörige, in Fragen der Entschädigung. Lokale Initiativen sind uns ebenso wichtig wie die bundesweite Vernetzung.

  1. ab 1970
    Die Bürgerrechtsbewegung gewinnt an Einfluss
    Die Bürgerrechtsbewegung gewinnt an Einfluss
    ab 1970:Die Bürgerrechtsbewegung gewinnt an Einfluss

    Die Bürgerrechtsbewegung Deutscher Sinti und Roma gewinnt Ende der 1970er Jahre an Einfluss. Bereits zuvor hatte es Komitees und Bürgerrechtsvertretungen gegeben. Nun gelingt es jedoch, medienwirksam auf die katastrophale Situation der Sinti und Roma in Deutschland aufmerksam zu machen. Dies ist dem Einfluss jüngerer, nach 1945 geborener Sinti und Roma zu verdanken, die sich vermehrt in der Bürgerrechtsbewegung engagierten.

  2. 1982
    Gründung des „Zentralrats Deutscher Sinti und Roma e.V.“
    Gründung des „Zentralrats Deutscher Sinti und Roma e.V.“
    1982:Gründung des „Zentralrats Deutscher Sinti und Roma e.V.“

    Der „Zentralrat Deutscher Sinti und Roma e.V.“ entsteht im Februar 1982 als Dachverband aus den ihm angehörenden neun örtlichen und regionalen Sinti und Roma-Verbänden. Erster Vorsitzender ist bis heute Romani Rose.

  3. 1982
    Offizielle Anerkennung des Völkermordes an Sinti und Roma
    Offizielle Anerkennung des Völkermordes an Sinti und Roma
    1982:Offizielle Anerkennung des Völkermordes an Sinti und Roma

    Der Völkermord an Sinti und Roma während des Nationalsozialismus wurde in der Bundesrepublik lange nicht anerkannt, was sich unter Anderem in ausbleibenden Entschädigungszahlungen für Überlebende und Angehörige widerspiegelte. 1982 erfolgte die Anerkennung des Genozids durch Bundeskanzler Helmut Schmidt, welche 1985 im Rahmen einer Bundestagsdebatte bestätigt wurde. Auf Grundlage der Anerkennung können Entschädigungsverfahren aufgenommen werden.

  4. 1983
    Gründung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz
    Gründung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz
    1983:Gründung des Landesverbandes Rheinland-Pfalz

    Der „Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz“ wird am 3. November 1983 gegründet. Er ist zu diesem Zeitpunkt der dritte Landesverband, der dem Dachverband des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma untergliedert ist. Die Initiative geht von Südpfälzer Sinti-Familien aus, weswegen sich der Sitz des Verbandes in Landau befindet.

  5. 1984
    Einrichtung einer Beratungsstelle für Sinti und Roma
    Einrichtung einer Beratungsstelle für Sinti und Roma
    1984:Einrichtung einer Beratungsstelle für Sinti und Roma

    Eine Beratungsstelle für Sinti und Roma wird im Landesverband Rheinland-Pfalz eingerichtet. Die Minderheit wird in den verschiedenen Lebensbereichen wie Bildungs- und Arbeitsbereich, Wohnsituation oder im Umgang mit Behörden beraten und unterstützt.

  6. 1992
    Die Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“ wird im Landauer Frank-Loebsche-Haus initiiert
    Die Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“ wird im Landauer Frank-Loebsche-Haus initiiert
    1992:Die Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“ wird im Landauer Frank-Loebsche-Haus initiiert

    Seit 1992 existiert im Frank-Loebsche-Haus in Landau die Dauerausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“. Diese wurde im Rahmen des Landauer Modellprojekts entwickelt und gestaltet. Der Landesverband begleitete das Projekt, welches vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft gefördert wurde. Zum damaligen Zeitpunkt war die Ausstellung in zweierlei Hinsicht besonders: Erstens war eine Ausstellung über den Völkermord an Sinti und Roma, der lange unterschlagen wurde, an sich schon ungewöhnlich. Zweitens wurde die Perspektive der Überlebenden in den Mittelpunkt gestellt. Dieser Ansatz war unüblich, da in der Regel in Ausstellungen über den Nationalsozialismus die Täterperspektive in Form von NS-Dokumenten und Fotos dargestellt wurde.

  7. 1992
    Aufnahme in die Charta für Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
    Aufnahme in die Charta für Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
    1992:Aufnahme in die Charta für Minderheitensprachen und das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten

    Die Aufnahme des Romanes in die „Europäische Charta für Minderheiten- und Regionalsprachen“ sowie die Aufnahme der Sinti und Roma in das „Europäische Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten“ sind wichtige Verdienste der Arbeit des Zentralrates. Hieraus ergeben sich Verpflichtungen für die Bundesrepublik Deutschland, die Minderheitensprache Romanes zu fördern und die Gruppe der Sinti und Roma vor Rassismus zu schützen.

  8. 2001
    Einweihung einer Gedenktafel für den Völkermord an Sinti und Roma am Frank-Loebsche-Haus
    Einweihung einer Gedenktafel für den Völkermord an Sinti und Roma am Frank-Loebsche-Haus
    2001:Einweihung einer Gedenktafel für den Völkermord an Sinti und Roma am Frank-Loebsche-Haus

    Am 15.Mai 2001 wurde am Frank-Loebsche-Haus in Landau eine Gedenktafel, die an die im Nationalsozialismus deportierten Sinti und Roma erinnert, eingeweiht. Der Landesverband, in Person des damaligen Landesvorsitzenden Jacques Delfeld Sr., hatte sich bereits im Jahr 1997 an die Stadt Landau mit der Bitte gewandt, ein sichtbares Gedenkzeichen zu errichten. Nachdem es zunächst Unstimmigkeiten über den Standort gegeben hatte, wurde dem Wunsch des Landesverbandes und der Überlebenden schließlich entsprochen: Ein Gedenkort in zentraler Lage.

  9. 2005
    „Rahmenvereinbarung zwischen der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz“
    „Rahmenvereinbarung zwischen der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz“
    2005:„Rahmenvereinbarung zwischen der rheinland-pfälzischen Landesregierung und dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz“

    Im Jahr 2005 wurde zwischen dem Landesverband und der Landesregierung Rheinland-Pfalz eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Diese verpflichtet das Land Rheinland-Pfalz unter anderem, Maßnahmen zum Schutz der Sinti und Roma vor Diskriminierung, zur Aufarbeitung der Geschichte der Minderheit in Schulen und Hochschulen, zur Förderung der Chancengleichheit und zur Bewahrung der Minderheitensprache Romanes zu ergreifen. Der Landesverband hatte zuvor mehr als ein Jahrzehnt auf den Abschluss eines solchen Abkommens hingewirkt.

  10. 2022
    Einrichtung einer regionalen Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus
    Einrichtung einer regionalen Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus
    2022:Einrichtung einer regionalen Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus

    Der Landesverband schaltet am 14. Juni 2022 die regionale "Melde- und Informationsstelle für Antiziganismus" frei (M.I.A.-RLP). Betroffene und Zeugen von antiziganistischen Vorfällen können diese ab sofort via Online-Formular melden und erhalten direkte Hilfe von geschultem Fachpersonal, dass die Einzelfälle kategorisiert, anonymisiert und dokumentiert.

Newsroom

Der lange Weg der Sinti und Roma

Jùlie Halilic ist stolz, wenn sie an ihren Großvater denkt. Wallani Georg erkämpfte gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern, dass der Massenmord