Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, verurteilt den Polizeieinsatz im tschechischen Teplice scharf!

Medienberichten zufolge starb ein Mann aus der Roma-Minderheit nach einem Polizei-Einsatz am Samstag im nordböhmischen Teplice auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein im Internet kursierendes Video zeigt, wie zeitweise drei Polizisten auf ihm sitzen und einer der Beamten sein Knie minutenlang in dessen Hals drückt.

Selbst als der Mann regungslos am Boden liegt, fährt einer der Polizisten mit seiner Aktion fort. Als nach dem Einsatz beim Festgenommenen kein Lebenszeichen mehr zu erkennen war, wurde ein Rettungswagen alarmiert. Der Mann verstarb laut Angaben der Polizei noch während des Rettungseinsatzes.

Jacques Delfeld, 1. Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, verurteilt das brutale Vorgehen der tschechischen Polizisten scharf. „Wir fordern die zuständigen Stellen auf, umgehend für vollständige Aufklärung zu sorgen und Ermittlungen gegen alle an dem Vorfall beteiligten Beamten aufzunehmen. Angesichts der offensichtlich unverhältnismäßigen Polizeigewalt gegenüber dem Roma-Angehörigen Stanislav Tomá müssen die beteiligten Polizisten zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht sein, dass sich die tschechische Justiz hier aus ihrer Verantwortung stiehlt.“

Nach diversen Medienberichten wurden Augenzeugen von der Polizei gebeten, nicht mit Medienvertretern über den Vorfall zu sprechen, solange hierzu die offizielle Untersuchung laufe. Diese solle die Todesursache klären und darüber hinaus prüfen, ob das polizeiliche Vorgehen angemessen gewesen sei.

Der Fall erinnert in frappierender Weise an den Fall des Schwarzen George Floyd aus den USA. Sogar die erste Reaktion der Polizei weist Parallelen auf. Diese erklärt, der Tod von Stanislav Tomá sei aufgrund einer Drogenüberdosis und eines Herzfehlers erfolgt.

Erst am 21.04.2021 erklärte der 1. Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, in seiner Presseerklärung, dass er mit dem Urteil gegen die Mörder von George Floyd die Erwartung verbinde, dass der polizeiliche Rassismus weltweit bekämpft werde. Diese Hoffnung habe sich nun mit den Ereignissen am vergangenen Samstag erledigt, so Delfeld. „Ich bin weiterhin darüber empört, dass sich der tschechische Innenminister Jan Hamacek hinter die an der Aktion beteiligten Polizisten stellt und öffentlich erklärt, sie hätten seine volle Unterstützung. Herr Hamacek sollte sich an die pogromartigen Übergriffe gegen Roma aus dem Jahr 2011 im tschechischen Rumburk und Varnsdorferinnern und endlich anerkennen, dass es offensichtlich ein Antiziganismus-Problem in der tschechischen Gesellschaft gibt.“.

Wie in vielen europäischen Ländern gibt es auch in Tschechien einen tief verwurzelten gesellschaftlichen Antiziganismus, der ursächlich für den ungehemmten Rassismus gegenüber Roma ist.

Delfeld fordert nun einen Akt der Solidarität mit den Betroffenen. Es sei unglaubwürdig, wenn die EU die Verstöße gegen Menschenrechte in China anprangert, aber vor der eigenen Haustür solche Missstände duldet. Die europäische Gemeinschaft muss – ebenso wie bei George Floyd – deutlich machen, dass sie nicht bereit ist Rassismus in ihren Gesellschaften zu dulden, erst recht nicht in staatlichen Institutionen. Die EU muss jetzt deutlich machen, dass die Bekämpfung des Antiziganismus nicht allein die Aufgabe von Selbstorganisationen ist, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung begriffen werden muss.

Bürgerrechtspreis 2021

Die Preisverleihung findet am 28. April 2021 um 14:30 Uhr statt und wird live auf www.buergerrechtspreis.de und mit englischer Simultanübersetzung auf www.civilrightsprize.com übertragen

Diesjährige Preisträgerin des Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma in Erinnerung an Oskar und Vinzenz Rose ist Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Sie wird ausgezeichnet, weil sie sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 in besonderer Weise dafür eingesetzt hat, dass nach dem Zivilisationsbruch des Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa die Rechte der Minderheit und ihre über 600-jährige Geschichte in Deutschland und Europa bewusster wahrgenommen werden. Der Preis wird überreicht von seinem Stifter Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose.

Die Laudatio auf die Bundeskanzlerin wird der Preisträger des Jahres 2019, der ehemalige Staatspräsident der Slowakischen Republik Andrej Kiska halten.

Änderungen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit für NS-Verfolgte und ihre Nachkommen im Ausland

Liebe Mitglieder,

wir möchten Euch über Änderungen für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit für NS-Verfolgte und ihre Nachkommen im Ausland informieren.

Es wurden Erleichterungen geschaffen für:

-vor dem 01. April 1953 geborene eheliche Kinder zwangsausgebürgerter deutscher Mütter und ausländischer Väter

-vor dem 01. Juli 1993 geborene nichteheliche Kinder zwangsausgebürgerter deutscher Väter und ausländischer Mütter, bei denen die Anerkennung oder Feststellung der Vaterschaft nach deutschen Gesetzen zur Vollendung des 23. Lebensjahres wirksam erfolgt war

-Kinder, deren deutscher Elternteil im Zusammenhang mit NS-Verfolgungsmaßnahmen eine fremde Staatsangehörigkeit erworben und die deutsche Staatsangehörigkeit verloren hat; dazu gehören auch Kinder, deren verfolgungsbedingt emigrierte Mütter nach § 17 Nummer 6 RuStAG a.F. vor dem 01. April 1953 durch Eheschließung mit einem ausländischen Mann die deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben .

Wenn Ihr Fragen dazu habt, könnt Ihr Euch in der Geschäftsstelle melden.

zum 50. Jahrestages des Internationalen Roma-Tages

Am 8. April jährt sich zum 50. Mal der internationalen Roma-Tag, der im Jahr 1971, als erster internationaler Kongress von Roma-Repräsentanten in Orpington, in der Nähe von London, stattfand. An diesem Kongress nahmen Repräsentanten aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Ungarn, Irland, Spanien, Jugoslawien, Finnland, Norwegen, Belgien, Kanada, Indien und den Vereinigten Staaten teil.

In Deutschland und im europäischen Kontext erinnern am 8. April regelmäßig Roma und Nicht-Roma an die Opfer des Nationalsozialismus. Neben der historischen Erinnerung ist es ein Anliegen des internationalen Roma-Tages, auf die gegenwärtig existierenden Ressentiments, Diskriminierungen und Ausgrenzungen von Sinti und Roma aufmerksam zu machen. In osteuropäischen Ländern, darunter Rumänien, wird der 8. April seit 1990 als Roma Tag gefeiert und in Nord-Mazedonien ist er als Nationalfeiertag anerkannt.

Jacques Delfeld Senior, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz, möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, um daran zu erinnern, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma in alarmierender Weise zunimmt und die Minderheit vielfach wieder von antiziganistischen Ressentiments betroffen ist.

Im aktuellen Kontext der COVID-19-Pandemie erhält der Landesverband Berichte über rassistische Übergriffe, die sich gegen Sinti und Roma in EU-Mitgliedsländern richten.

„Es benötigt nach wie vor die Anstrengung vieler Akteure auf lokaler, nationaler und EU- Ebene, um antiziganistische Ressentiments zu bekämpfen. Erst kürzlich gedachte der Landesverband der jungen Sinti und Roma, die bei den Anschlägen in Hanau im Jahr 2020 ermordet wurden. In einigen Ländern dienen Sinti und Roma schon wieder als Sündenböcke für die aktuelle Corona Krise“, so Jacques Delfeld Senior.

Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Rheinland-Pfalz verurteilt jegliche rassistische Gewalt gegen die Sinti und Roma, in Deutschland ebenso wie in Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Der Verband fordert die Politik und die gesellschaftlichen Institutionen auf, hier Verantwortung zu übernehmen, um die Minderheit zu schützen und Vorurteile gegen diese öffentlich zu bekämpfen.

Der Kampf gegen Rassismus und/oder extremistischer Gewalt muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Darüber hinaus ist es notwendig, dass Sinti und Roma einen barrierefreien Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Wohnung und Gesundheit erhalten, um eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen.

Pressemitteilung des Netzwerk diskriminierungsfreies RLP zum Internationalen Tag der Roma

„Das Netzwerk diskriminierungsfreies RLP betont, dass der Billigung der Arbeitsdefinition von „Antiziganismus“ durch das Bundeskabinett auf allen Ebenen – also auch in Rheinland-Pfalz – schnell weitere Schritte folgen müssen: „Es muss jetzt darum gehen, auf einer wissenschaftlichen Grundlage zu arbeiten, belastbare Erkenntnisse zu gewinnen und dadurch zielgerichtetes politisches und gesellschaftliches Handeln zu ermöglichen. Hierzu gehören die Erfassung antiziganistisch motivierter Straftaten, die Beobachtung von Antiziganismus in den Medien und dessen Auswirkungen auf die Einstellungen in der Bevölkerung und die Erstellung von verlässlichen und gut aufbereitetes Bildungsmaterial zum Thema Sinti und Roma für Schulen und Bildungseinrichtungen, sagt Jacques Delfeld Senior. „Weil Antiziganismus auf vielfältige Art und Weise mit anderen Vorurteilsstrukturen und Ungleichbehandlung verwoben ist, sollte dabei ein intersektionaler Forschungsansatz gewählt werden.“

Hier können Sie die Pressemitteilung in voller Länge weiterlesen:

Regelung zum Erhalt der Grabstätten von Verfolgten Sinti und Roma im Nationalsozialismus.

Seit dem 5. Dezember 2018 gibt es eine bundesweite Regelung zum Erhalt der Grabstätten von Verfolgten Sinti und Roma im Nationalsozialismus.

Was solltet Ihr tun, wenn Eure Grabstätte abläuft und verlängert werden muss?

  • Meldet Euch möglichst schnell beim Landesverband! Wir beraten Euch gerne, was zu tun ist.
  • Ihr bekommt zunächst einen Brief der Friedhofsverwaltung, ob und für wie lange Ihr die Grabstätte verlängern wollt: Diesen Brief unbedingt beantworten! Sonst könnte die Räumung des Grabes drohen.
  • Ihr bekommt dann eine Rechnung für die Verlängerung.
  • Mit dieser Rechnung könnt Ihr beim BADV in Berlin einen Antrag auf Erstattung der Kosten stellen. Gerne helfen wir Euch beim Stellen des Antrags.

Hier die wichtigsten Punkte zur Bund-Länder-Regelung:

  • Beim BADV (Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen) kann für verfolgte Angehörige der Minderheit ab der ersten Verlängerung des Grabes ein Antrag zur Erstattung der Kosten eingereicht werden.
  • Gezahlt wird nur für Verfolgte. Leere Grabplätze und Grabplätze von Personen, welche nach 1945 geboren wurden oder vor 1933 verstorben sind, müssen von den Angehörigen selbst bezahlt werden.
  • Nach jedem weiteren Ablauf der Nutzungsfrist muss diese verlängert und ein neuer Antrag beim BADV gestellt werden. Es gibt keine automatische dauerhafte Übernahme der Kosten, sondern immer nur für die eingereichte Rechnung.
  • Mit dem Antrag muss eine Bestätigung der Verfolgung der Bestatteten und die Rechnung eingereicht werden. Diese Bestätigung der Verfolgung kann der Landesverband ausstellen.
  • Der Antrag kann erst eingereicht werden, wenn die Rechnung des Friedhofes für die Verlängerung da ist.
  • Wichtig: Wenn die Rechnung da ist, ruft beim Landesverband an, oder stellt selbst einen „Mahnstopp“ beim Friedhof. Sonst muss die Zahlungsfrist auf der Rechnung eingehalten werden. Mahngebühren oder ähnliches werden nicht erstattet
  • Ist eine Verlängerung der Grabnutzung aus friedhofsrechtlichen Gründen nicht möglich, werden die Kosten und Gebühren für eine Umbettung übernommen
  • Die Pflege der Gräber und ihre Kosten liegen bei den Angehörigen
  • Wenn die Kosten übernommen werden, bekommt Ihr einen Brief, in dem die Höhe der übernommenen Kosten steht

Hier findet Ihr das Antragsformular .

Informationen Corona-Sonderzahlung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir informieren Sie über die Bekanntmachung des Bundesministeriums der Finanzen über die sogenannte Corona-Sonderzahlungsrichtlinie zur Abmilderung des pandemiebedingten Mehrbedarfs vom 18. Januar 2021. In dieser wird eine zusätzliche Einmalzahlung an Personen bewilligt, die Einmalleistungen nach den WDF-Richtlinien erhalten haben.

Demnach sind diejenigen in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten Sinti und Roma für eine Zahlung von insgesamt 2 400 Euro berechtigt, die nach der Richtlinie der Bundesregierung für die Vergabe von Mitteln an Verfolgte nicht jüdischer Abstammung zur Abgeltung von Härten in Einzelfällen im Rahmen der Wiedergutmachung vom 26. August 1981 in der Fassung vom 7. März 1988 Einmalleistungen erhalten haben.

Wer ist antragsberechtigt?

Überlebende Sinti und Roma, die in der Vergangenheit Einmalzahlungen nach dem Wiedergutmachungsfonds der Bundesregierung erhalten haben.

Wer ist ausgeschlossen?

Empfänger*innen von laufenden Entschädigungszahlungen

Wie hoch ist die Leistung?

Die Corona-Sonderzahlung beträgt insgesamt 2400 Euro, die in zwei Einzelzahlungen von jeweils 1200 Euro ausgezahlt wird. Die erste Zahlung wird im Jahre 2021, die zweite im Jahre 2022 erfolgen.

Muss man einen Antrag stellen?

Ja, die Leistung wird nur auf Antrag gewährt. Der Antrag kann in einem formlosen Schreiben gestellt werden. Der Antrag muss Name, Geburtsort und Geburtsdatum des Antragsstellenden enthalten. Soweit bekannt, sollte er zusätzlich das Aktenzeichen und das Datum der bewilligten Einmalbeihilfe enthalten.

Wohin sind die Anträge zu richten?

Die Anträge sind zu richten an das:

Bundesministerium der Finanzen

Dienstsitz Bonn

Referat V B 3

Postfach 13 08

53003 Bonn

Welche Unterlagen sind notwendig?

Dem Antrag sind eine Kopie eines gültigen Ausweisdokumentes sowie eine aktuelle behördliche Lebensbescheinigung beizufügen. Lebt ein Antragsteller im Ausland, sind beide Dokumente in notariell beglaubigter Form beizufügen.

Gibt es eine Antragsfrist?

Der Antrag ist bis spätestens 31. Dezember 2022 zu stellen.

Kann die Leistung auch an die Erben ausbezahlt werden?

Die Erben haben kein Antragsrecht. Verstirbt der Antragsteller nach Antragstellung, so kann eine Leistung nach seinem Tode seinem hinterbliebenen Ehegatten bzw. für den Fall, dass dieser verstorben ist, seinen hinterbliebenen Kindern ausgezahlt werden, sofern der Tod von einem Hinterbliebenen innerhalb von 6 Monaten nach dem Versterben angezeigt wird.

Wer hilft bei der Antragsstellung?

Wenn Sie Hilfe bei der Antragsstellung benötigen, wenden Sie sich bitte an Ihren Landesverband in Ihrem Bundesland.

Eine Liste mit den Landesverbänden finden Sie hier:

https://dokuzentrum.sintiundroma.de/ueber-uns/mitgliedsverbaende/.

Gemeinsamer Wahlaufruf „Rheinland-Pfalz. Gemeinsam. Gestalten.“

Die Initiative „Rheinland-Pfalz. Gemeinsam. Gestalten.“ ruft als Zusammenschluss verschiedener Organisationen zur Teilnahme an der Landtagswahl am 14. März 2021 auf:


Wählen gehen, Verantwortung übernehmen, gemeinsam gestalten!


Wir alle haben am 14. März mit unseren Stimmen die Möglichkeit, Demokratie mitzugestalten. Wir alle mögen unterschiedliche Ansichten und Ideen für die Zukunft unseres Landes haben und manche Themen sind uns wichtiger als andere – aber die Herausforderungen, vor denen unser Land steht, können wir nur gemeinsam bewältigen.

Corona-Pandemie, Klimawandel, Digitalisierung, demografischer Wandel – wir leben in einer Zeit des großen Umbruchs. Wir sind gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie gelingt die soziale, ökologische und digitale Transformation unserer Gesellschaft so, dass der Zusammenhalt nicht gefährdet, sondern gestärkt wird?


Am 14. März haben wir die Möglichkeit, all das mitzugestalten – aber wir haben auch die demokratische Verpflichtung mitzuentscheiden. Denn Demokratie lebt davon, dass sie gelebt wird. Machen Sie daher von Ihrem Wahlrecht Gebrauch.


Jede Stimme für demokratische Bewerberinnen und Bewerber ist eine Stimme für die Demokratie. Jede Stimme zählt für Toleranz, Vielfalt und Zusammenhalt. Wir bitten Sie daher: Gehen Sie zur Wahl, geben Sie Ihre Stimme ab – wir zählen auf Sie

Die Initiative „Rheinland-Pfalz. Gemeinsam. Gestalten.“

DGB Rheinland-Pfalz / Saarland
Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz
Landessportbund Rheinland-Pfalz
Landesverband der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz
Verband deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz
Verein säkularer Islam Rheinland-Pfalz
Landesfrauenbeirat Rheinland-Pfalz
Landesjugendring Rheinland-Pfalz
BUND Rheinland-Pfalz
NABU Rheinland-Pfalz
Kolpingwerk Rheinland-Pfalz
IG Metall Bezirk Mitte
ver.di Rheinland-Pfalz-Saarland
IG BCE Rheinland-Pfalz/Saarland
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz
Gewerkschaft der Polizei Rheinland-Pfalz (GdP)
IG BAU Rheinland-Pfalz-Saarland
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG Landesbezirk Rheinland-Pfalz
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Bezirk Südwest
Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk (ELAN)
Landesmusikrat Rheinland-Pfalz
Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) RLP
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Fahrgastverband PRO BAHN Rheinland-Pfalz
Institut zur Förderung von Bildung und Integration (INBI)
ISSO Institute for Social & Sustainable Oikonomics
Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung RLP e.V. (ANU RLP)
Naturfreunde Rheinland-Pfalz
VCD Rheinland-Pfalz
ACE Auto Club Europa Region Mitte Rheinland-Pfalz + Saarland
Arbeitsgruppe ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz / Saarland
Bioland RLP/SL
Ecovin e.V.
Demeter RLP/SL
Naturland RLP/SL
Biokreis RLP/SL

WDR-Sendung „Die letzte Instanz“ fördert stereotypes Denken

Am 29. Januar 2021 wurde vom WDR die Talksendung „Die letzte Instanz“ ausgestrahlt. In der Sendung wurde unter anderem die Frage diskutiert, ob die Umbenennung der „Zigeunersauce“ ein notwendiger Schritt sei?

Jacques Delfeld, der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz, kritisiert die Sendung scharf und schließt sich damit inhaltlich der Kritik des Zentralrats an. Dabei stehen für Delfeld neben den Äußerungen der Gäste besonders die redaktionellen Macher der Sendung im Fokus:

„Die Sendung möchte auf unterhaltsame Weise kontroverse Themen diskutieren. Ihr fehlt aber eine entscheidende Komponente – die Kontroverse. Das Sendungsthema, die einleitende Moderation sowie der ins Thema einführende Trailer weisen dem Zuschauer schon zu Beginn die Zielrichtung der Diskussion. Dabei kamen sowohl der Moderator als auch die Gäste nicht ohne populistische Attitüden aus. Scheinbar haben sich die Beteiligten der Sendung für einen kurzfristigen Applaus dazu hinreißen lassen, ein wichtiges Anliegen der Sinti und Roma zu diskreditieren und zu bagatellisieren. Diese setzen sich seit Jahrzehnten für einen reflektierten, bewussten und sensibleren Umgang mit dem Zigeunerbegriffs ein.“

In der Talk-Runde reduziert Jürgen Milski die Bemühungen um eine politisch korrekte Ausdrucksweise darauf, dass zu wenig Humor in Deutschland herrsche und heutzutage jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werde. Thomas Gottschalk beruft sich auf den früher gängigen, unbedarften Umgang mit heute kritisierten Begriffen. Stattdessen werde heute eine zwang- bzw. krampfhafte Sensibilität eingefordert. Janine Kunze pflichtet bei – es werde zu viel problematisiert, sogar terrorisiert und setzt das, was sie sich als „Blondine“ mit großer Oberweite zuweilen „anhören“ müsse – mit den Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen von Betroffenen gleich. Ein weiterer Diskutant, Micky Beisenherz, bemerkt immerhin, Gesellschaft und Sprache seien im Wandel, weist allerdings denjenigen eine Schuld zu, die sich zu eifrig für eine Sensibilisierung der Sprache einsetzten.

Dabei offenbarten die Gäste in erschreckender Weise ihre Unkenntnis und Ignoranz gegenüber vom Rassismus betroffenen Menschen. Mit ‘gepflegter‘ Meinungsbildung hatte dieser Talk wenig zu tun. Das Gespräch kam nie über das Niveau einer Stammtischdiskussion hinaus. Die Gäste wären sicher gut beraten gewesen, wenn sie sich im Vorfeld eingehender mit den Hintergründen der Begriffskritik beschäftigt  und mit den sozialen und historischen Hintergründen von Betroffenen auseinandergesetzt hätten. Stattdessen haben sich die Gäste vom Moderator zu abwertenden Meinungsäußerungen hinreißen lassen. Immerhin, durch die nachfolgende Reaktion im Netz, haben sich inzwischen Janine Kunze und Micky Beisenherz für Ihre unbedachten Äußerungen entschuldigt.

Während die ‘Performance‘ der Gäste noch mit einer peinlichen Unkenntnis abgetan werden kann, dürfte es sich bei den Verantwortlichen der WDR-Talksendung anders verhalten. Die Konzeption und Umsetzung des Sendungsthemas, deutet klar darauf hin, dass auf ein bestimmtes Ergebnis hingewirkt wurde. Hier stehen die redaktionelle Vorbereitung und Durchführung genauso im Fokus der Kritik wie die Moderation. Die Tatsache, dass der Themenauswahl kein tagesaktueller Bezug zugrunde lag, lässt vermuten, dass die Macher ausschließlich auf die Einschaltquoten geschielt haben. Dies ist besonders anstößig, weil sie bereits im Vorfeld davon ausgehen mussten, dass die Diskussion zu Kosten von Benachteiligten geführt wird. Dieser Gefahr hätten die zuständigen Redakteure durch eine ausgewogenere Gästewahl und einer ausgleichenden Moderation begegnen können.

Es fanden ausschließlich prominente Weiße Gehör, die sich auf Stammtischniveau darüber echauffierten, dass heute bestimmte, alltäglich gebrauchte Begriffe zurecht kritisch hinterfragt werden. Die sozialen oder historischen Dimensionen die Hand in Hand mit den diskutierten Begrifflichkeiten einher gehen, spielten für die Verantwortlichen im Vorfeld keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Man muss davon ausgehen, dass mögliche Bedenken bewusst ignoriert wurden, nach dem Motto: „Die sollen sich mal nicht so anstellen!“ Es ist anzunehmen, dass exakt diese Botschaft am Ende des Sendungsthemas stehen sollte.

Die stark verkürzte Diskussion um die sogenannte „Zigeunersoße“, dem „Zigeunerschnitzel“ oder den „Mohrenkopf“ unterstellte, dass nur wenige Sinti und Roma diese künstliche Diskussion vorantreiben und damit eine überflüssige Pseudodebatte führten. Es wurde moniert, dass anständige Bürger diese lieb gewonnen Bezeichnungen nicht mehr unreflektiert verwenden könnten.

Diese Bezeichnungen bereiten – auf einer sprachlich-bildlichen Ebene – den Übergang zu Vorurteilen vor. Häufig münden solche Vorurteile dann in rassistische Ressentiments. Es bleibt bei der Debatte auch völlig unberücksichtigt, dass Begrifflichkeiten wie „Zigeuner“, „Neger“ und „Indianer“ in der Vergangenheit immer auch Ausdruck bestehender Dominanz- und Herrschaftsverhältnisse waren.

Weiter lässt die Diskussion völlig unberücksichtigt, dass diese Begriffe oftmals den sprachlichen Einstieg in stereotype Denkmuster darstellen. Wenn, wie im eingespielten Trailer, Frau Schöneberger aus der „Zigeunersoße“ die „Soße ohne festen Wohnsitz“ macht, dann bedient sie sich eben eines antiziganistischen Klischees. Das heißt sie verbindet mit dem „Zigeuner“ eine nomadisierende Lebensweise. Wenn man nun bedenkt, dass viele Menschen Sinti und Roma synonym zum „Zigeunerbegriff“ verwenden, dann ist das aus Betroffenensicht eben problematisch. Abgesehen davon, wird ihr Anliegen ins Lächerliche gezogen einen vorurteilsfreien Sprachgebrauch zu etablieren bzw. zu pflegen.

Die Gefahren, die von der Förderung stereotyper Denkweisen ausgehen sind vielfältig. Im Hinblick auf die Minderheit der Sinti und Roma bedeutet das leider noch immer, dass diese im Alltag von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind. Dies führt unter anderem dazu, dass sie aus Sorge vor Repressalien und/oder gesellschaftlichen Benachteiligungen ihre Identität verleugnen. Die Verteidiger dieser Begriffe sollten sich daher ernsthafter mit den Auswirkungen eines stereotypen Sprachgebrauchs auseinandersetzen und anerkennen, dass es bei dieser Debatte um mehr geht als um die Bezeichnung von Lebensmitteln.

Nach Meinung von Jacques Delfeld, dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz, stellt die Talk-Runde ein exemplarisches Beispiel dafür dar, wie stereotypes Denken im Fernsehen gefördert wird. Ihm zufolge konnte der TV-Sender nicht überrascht sein, Beifall von falscher Seite erhalten zu haben, schließlich sei genau das zu erwarten gewesen. Zwar haben inzwischen der WDR und auch der Moderator Steffen Hallaschka ihr Bedauern über die Entwicklung der Sendung ausgedrückt, doch dieses Bedauern muss angesichts der konzeptionellen Anlage der Sendung als bloßes Kalkül erscheinen. Die verantwortliche Redaktion muss sich die Kritik gefallen lassen, das berechtigte Anliegen von Sinti und Roma, die für einen reflektierten und kritischen Sprachgebrauch eintreten, diskreditiert zu haben. Stattdessen sind diese in der Position sich rechtfertigen zu müssen, wieso sie derart „empfindlich“ mit dem vorbelasteten „Zigeunerbegriff“ umgehen. „Genauso macht man aus Beteiligten Betroffene!“

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Wahl Vorstand 2020

Liebe Mitglieder,

ich möchte Euch über den Ausgang der Wahl zum Vorstand des Landesverbandes Rheinland-Pfalz 2020 informieren. In der Mitgliederversammlung am 28.11.20 wurden folgende Personen in den Vorstand gewählt:

Jacques Delfeld

Adalbert Heilig

Christian Kling

Ilona Lagrene

Mario Lagrene

Bei der konstituierenden Sitzung des Vorstandes am 01.12.20 hat der neugewählte Vorstand Jacques Delfeld zum 1. Vorsitzenden gewählt und Ilona Lagrene zu seiner Stellvertreterin.

Im Namen des Vorstandes möchte ich mich für Eure Beteiligung an der Abstimmung bedanken.

Herzliche Grüße

Jacques Delfeld

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