Geschichte

Der Verband Deutscher Sinti & Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz mit Sitz in Landau entstand 1983 als dritter von neun Landesverbänden im Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Südpfälzer Sinti-Familien hatten die Gründung mit dem Ziel angeregt, der immer noch bestehenden gesellschaftlichen Benachteiligung die organisierte Selbstvertretung entgegenzusetzen.

Von Anfang an sah der Verband es als eine Hauptaufgabe an, über Rassismus, Rechtsextremismus und die Folgen aufzuklären. Durch Informationen will er Vorurteile abbauen und in der Mehrheitsbevölkerung Verständnis für die Sichtweise der Minderheit wecken. Denn Vorurteile und Klischees bilden die Grundlage für einen menschenverachtenden Extremismus, der vor verbalen oder körperlichen Angriffen nicht zurückschreckt.

Jahrzehnte nach dem Holocaust sind Sinti und Roma noch immer mit Diskriminierungen und Ausgrenzungen konfrontiert. Rechtsextreme und Neo-Nazi-Gruppen bedrohen und diffamieren sie. Beispiele der Diskriminierung gibt es genug: ob im Umgang mit Behörden oder im Fußballstadion, wo rassistische Beschimpfungen keineswegs vereinzelte Ausfälle darstellen.

1979 gründete sich eine Bürgerrechtsbewegung, die für die gesellschaftliche und soziale Gleichberechtigung der Sinti und Roma eintritt. Sie entstand nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass zu jener Zeit die so genannten „Zigeunerspezialisten“ erneut und in ganz ähnlicher Weise wie die „Experten“ im Nationalsozialismus begannen, angebliche Charakter- und Wesenszüge der Angehörigen dieser Minderheit festzuschreiben.

Im Mai 1984 wurde mit finanzieller Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und der Kirchen eine Beratungsstelle für Sinti und Roma eingerichtet. Als sie offiziell eingeweiht wurde, erklärte der damalige Vorsitzende des Landesverbandes Michael Weiß: „Wir wollen keine Sonderrechte, aber wir wollen Bürger mit gleichen Rechten und gleichen Chancen in diesem Land sein.“

Der Verband ist Ansprechpartner für alle Sinti und Roma. Er berät und unterstützt die Überlebenden des Völkermords in Fragen der Entschädigung. Er wendet sich an die Öffentlichkeit, um auf Missstände und Diskriminierung durch Behörden hinzuweisen. Information und Aufklärung sind weitere Aufgabenbereiche: Denn rechtsextreme Einstellungen unter Jugendlichen und Erwachsenen sind, wie Studien belegen, keine zu vernachlässigenden Randerscheinungen. Und er fordert von der Politik Rechte ein.