Überleben – das war für uns nicht vorgesehen!

Lebensgeschichten rheinland-pfälzischer Sinti-Familien. Mit der Veröffentlichung der Dokumentation kommt der Verband Deutscher Sinti und Roma seiner Aufgabe der regionalen historischen Aufarbeitung des NS-Völkermords an den Sinti und ÜberlebenRoma, die jetzt in Rheinland-Pfalz beheimatet sind, im Sinne der ?mündlich überlieferten Geschichte (oral history)? aus der Sicht der Opfer nach. Überlebende des Völkermordes als Zeitzeugen erinnern ihre Lebensgeschichte und benennen die Auswirkungen, die sich aus der Verfolgung für ihr gesamtes weiteres Leben ergeben haben. Darüber hinaus schildern die Nachkommen ihre Erfahrungen als Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma und ihre Perspektiven für die Zukunft in der heutigen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland.

In den ersten beiden Teilen der Dokumentation werden die theoretischen Grundlagen und historischen Daten erörtert. Die Geschichte der Sinti und Roma vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wird in einem kurzen Abriss anhand der historischen Eckdaten beschrieben. Zudem wird der Entwicklungsprozess zur nationalsozialistischen Terrorherrschaft mit dem Schwerpunkt auf der Verfolgung auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz dargestellt. Schon die ersten Aufzeichnungen über die Angehörigen der Minderheit im deutschsprachigen Raum zeigen deutlich, wie die Mehrheitsgesellschaft und ihre gesetzgebenden Institutionen eine Gruppe zu einem Stereotyp konstruieren, welches immer wieder im Sinne des jeweiligen Zeitgeistes funktionalisiert wird. Im Nationalsozialismus jedoch wurden die Menschen deportiert und im Konzentrationslager oder durch andere Vernichtungsmaßnahmen aufgrund ihrer so genannten ?Rasse? nahezu völlig ausgemerzt. Ein Überleben war für sie nicht vorgesehen. In einem dritten Teil werden die Konsequenzen der Verfolgungserfahrung für die Überlebenden und ihre Familien bis in die Gegenwart in den existentiell bedeutsamen Lebensbereichen veranschaulicht. In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nach dem Stand der Umsetzung des Rechts der Sinti und Roma auf eine chancengleiche soziale Teilhabe und Mitbestimmung in der deutschen Gesellschaft ? folglich ihrer Inklusion ? und der sich daraus ergebenden Aufgaben für Politik und Gesellschaft knapp beleuchtet. Die zehn Interviews mit rheinland-pfälzischen Sinti-Familien sind das Herzstück der Dokumentation. Die Erfahrungen der Überlebenden werden fortgesetzt durch die Berichte von Geschwistern, Ehepartnern, Kindern, Enkelkindern und weiteren Verwandten. Die Familien haben zudem Fotos und persönliche Dokumente aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Die Dokumentation soll insbesondere in der Erziehung zu Akzeptanz und Menschlichkeit im Rahmen von Schulen und Bildungseinrichtungen, in der politischen Jugendarbeit, aber auch in Gedenkstätten als Arbeitsmedium eingesetzt werden. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur hat sie daher maßgeblich und finanziell federführend gefördert. Weitere Förderer sind der Bezirksverband Pfalz, die Sparkassenstiftung Südliche Weinstraße in Landau, die Fix-Stiftung Landau und die Stadtverwaltung Landau und die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße Die Dokumentation ist über den Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-00-040527-3) oder bei unserem Verband zum Preis von 14,90 Euro plus Porto anzufordern. Tel. 06341-850 53.