Sinti und Roma im Rundfunkrat

Der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Rheinland-Pfalz, Jacques Delfeld, ist seit drei Jahren Mitglied im SWR-Rundfunkrat und der Landesmedienanstalt für die Privatmedien (LMK), wo er sich an der Programmbeobachtung beteiligt. Der SWR-Rundfunkrat ist das bisher einzige Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, in dem eine Interessenvertretung der Sinti und Roma einen Sitz hat. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert seit langem die Beteiligung der Sinti und Roma in Rundfunkräten und Landesmedienanstalten, um der nach wie vor durch negative Stereotypen geprägten Fernseh- und Filmberichterstattung entgegenzuwirken.

Im Interview mit Deutschlandfunk Kultur spricht Jacques Delfeld über seine Arbeit im SWR-Rundfunkrat und seine Kritik am Kinder- und Jugendfilm „Nellys Abenteuer“, der trotz massiver Proteste vom SWR ausgestrahlt wurde: „Roma, die Geld und Kinder stehlen – ein uraltes Klischee. Mag der SWR das auch dementieren – der Film von Dominik Wessely belebt dieses Klischee, selbst wenn er es augenzwinkernd bricht. Deutsche Sinti und Roma sind Nachkommen von Holocaust-Überlebenden. Sie können über diese Stereotype nicht lachen, selbst wenn sie komödiantisch inszeniert werden“ so der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats.

Das Interview ist verfügbar unter:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/sinti-und-roma-im-rundfunkrat-immerhin-eine-stimme.1001.de.html?dram:article_id=399971

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Jacques Delfeld beim Tag der Demokratie in Remagen 2017

Dem jährlichen Aufmarsch der Rechten setzte das Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie sowie der AStA des RheinAhrCampus Remagen am 18.11.2017 den Tag der Demokratie entgegen.

Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes war als Redner eingeladen und schon im Vorfeld war die Ausstellung des Landesverbandes „Die Überlebenden sind die Ausnahme. Der Völkermord an den Sinti und Roma“ im Foyer des RheinAhrCampus zu sehen.

Der erschreckende Rechtsruck in unserer Gesellschaft, die beängstigend hohe Zustimmung, die die Parolen der AfD bei den letzten Wahlen gefunden hat, zeigt auf, dass immer häufiger Feindbilder von Menschen zur Weltanschauung werden, Hass und Menschenverachtung zur Handlungsgrundlage. Das politisch-ideologische Ziel jeglicher Form von Rechtsradikalismus ist es, die individuellen Bürger- und Freiheitsrechte zugunsten eines autoritären Staates abzubauen. Die Ungleichheit der Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft, ihrer nationalen, ethnischen und rassischen Zugehörigkeit ist die Grundlage der nationalistischen Politik.

Die Ungleichheit war das staatstragende Prinzip nationalsozialistischer Herrschaft, in der die schlimmste Form von Rechtsextremismus ihren Ausdruck fand. Willkür und Terror bis hin zum Mord als Alltagsgeschäft bestimmten die Tagespolitik. Für Sinti und Roma, die seit 600 Jahren in Deutschland beheimatet sind, ebenso wie für die Juden bedeutete dies die Vernichtung. Der Mord an Millionen von Menschen wurde von den Nationalsozialisten als ”Säuberungsaktion” mit ”Endlösung” propagiert. Um eine Wiederholung der Vergangenheit in der Zukunft vorzubeugen, darf niemand sich an rechtsextremes Gedankengut und rechte Gewalt gewöhnen. Deshalb hat der Staat die Pflicht – genau wie jede einzelne Bürgerin und jeder einzelne Bürger, gegen jede Form von Rechtsextremismus vorzugehen.

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Zwischen Bewunderung und Ausgrenzung – Antiziganismus in Deutschland: Podiumsgespräch mit Dotschy Reinhardt und Jacques Delfeld

Freitag, 13. Oktober 2017 um 19.30 Uhr

Café L Lebenshilfe, Hafergasse 5, Worms

Dotschy Reinhardt, Künstlerin, Buchautorin und Menschenrechtsaktivistin, und Jacques Delfeld, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, berichten von den Erlebnissen ihrer Familien und den eigenen Erfahrungen, was es heißt als Sinti in Deutschland zu leben und sich dazu auch zu bekennen. Umfragen und Einstellungsstudien belegen immer wieder, dass Sinti und Roma von allen Minderheiten am meisten abgelehnt werden. Der Rassismus gegenüber Sinti und Roma kann als Messlatte unserer Demokratie gelten. Althergebrachte Vorurteilsstrukturen, Feindbilder und zugewiesene Sündenbockfunktionen begegnen Sinti und Roma immer wieder im alltäglichen Leben ebenso wie romantisierende Vorstellungen.

Der Antiziganismus als spezielle Form des Rassismus ist eines der am weitesten verbreiteten und wirkungsmächtigsten Ressentiments unserer Zeit. Im Gegensatz zum Antisemitismus ist der Antiziganismus gesellschaftlich noch immer nicht geächtet. Die menschenunwürdige Lebenssituation vieler Roma in Europa ist Ausdruck und Ergebnis von Rassismus, und sie dient gleichzeitig immer wieder als Bestätigung für alle rassistischen Klischees. Damit wird die Schuld an den menschenverachtenden Lebensbedingungen denen zugeordnet, die Opfer des Rassismus sind.

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Mit großer Dankbarkeit müssen wir nun Abschied nehmen

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der gesamte Vorstand des rheinland-pfälzischen Landesverbandes trauern um den Verlust von Adalbert Heilig, der die Verbandsarbeit in Rheinland-Pfalz als aktives Vorstandsmitglied und anschließend als wichtiger Berater im Ältestenrat maßgeblich geprägt und unterstützt hat.

1936 im Kreis Bremervörde geboren musste Adalbert Heilig schon in jungen Jahren Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. 1941 floh er vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ins besetzte Polen und in die Tschechoslowakei und überlebte bis zur Befreiung an wechselnden Orten in der Illegalität.

Herr Heilig engagierte sich als Überlebender des Holocaust in hohem Maß in der Entschädigungs- und Gedenkarbeit und als aktives Mitglied im Vorstand. Über viele Jahre begleitete er die Delegationen des Zentralrats zur internationalen Gedenkfeier nach Auschwitz-Birkenau. Als Zeitzeuge klärte er über die Verfolgung der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus auf und führte in diesem Zusammenhang Besuchergruppen durch die vom Landesverband konzipierte Ausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“. Herr Heilig hatte sich der Aufgabe gestellt, als Zeitzeuge aufzuzeigen, wohin Rassenideologie und Rechtsradikalismus führen.

Mit dieser Arbeit reichte er die Hand zur Versöhnung und erwarb bei allen, die ihm begegnen durften, Respekt und Anerkennung für die Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma. Bis zuletzt hat er trotz seines hohen Alters und seiner schweren Erkrankung in der Region Kaiserslautern aber auch in ganz Rheinland-Pfalz die Angehörigen der Minderheit beraten und unterstützt. „Ich bedauere es zutiefst, dass wir nun Abschied von Herrn Adalbert Heilig nehmen müssen“ so der Vorsitzende des Rheinland-Pfälzischen Landesverbandes, Jacques Delfeld, „denn mit seinem Tod fehlt unwiederbringlich erneut eine wichtige Persönlichkeit unter den Sinti.“ Der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, würdigte Adalbert Heilig als einen guten Freund und engagierten Mitstreiter für die Bürgerrechte der Sinti und Roma.

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Zum Tod von Dr. Heiner Geißler

 

Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma trauert um den großen Freund und Unterstützer der rheinland-pfälzischen Bürgerrechtsarbeit Dr. Heiner Geißler. Bereits 1988 besuchte er den Gedenkgottesdienst im Speyer Dom, der an die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma erinnerte. Dort traf er nach über 50 Jahren seinen ältesten Freund, einen Sinto, wieder. In den 1930iger Jahren waren sie in Ravensburg eng befreundet – sowohl in der Schule als auch am Nachmittag zu Hause.

Anlässlich seines Besuches der Sinti-Werkstatt in Albersweiler 1988 sagte er als MdB und CDU-Generalsekretär, dass Sinti und Roma als Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes in besonderer Weise einen Anspruch auf Hilfe haben, um eine gleichberechtige Stellung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Er besuchte als -damals noch- erster Bonner Politiker die Werkstatt und wollte damit auch den künstlerischen Beitrag der Sinti und Roma würdigen und die Förderung unterstützen.

Jacques Delfeld würdigte Dr. Heiner Geißler als großen deutschen Politiker, auf Landes- und Bundesebene, zuweilen streitbar und unbequem, aber immer innovativ und zukunftsorientiert. „Auch nach der Ausübung seiner politischen Ämter war sein philosophischer Blick auf den Menschen und den Erhalt unserer Natur einmalig und von Bedeutung“, so der Vorsitzende des Landesverbandes der Deutschen Sinti und Roma. „Er wird uns fehlen.“

 

 

 

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Vorstandsbrief anlässlich der im Internet verbreiteten Unwahrheiten

 

 

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www.sintiundroma.de

Liebe Sinti und Roma,

im Namen des Vorstandes des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bedanken wir uns bei Euch allen für Eure breite Solidarität und Unterstützung wegen der im Internet verbreiteten Unwahrheiten. In den letzten Tagen haben sich sehr viele Menschen unserer Minderheit beim Zentralrat gemeldet. Sie sind empört über die bösartigen Unwahrheiten, die in den letzten Wochen im Internet verbreitet werden und die behaupten, der Zentralrat möchte, dass wir uns nicht mehr als Sinti, sondern als Roma bezeichnen.

Wir haben jahrzehntelang als Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma unter anderem auch gegen die abwertende Fremdbezeichnung „Zigeuner“ gekämpft, unter der uns die Nazis verfolgt und ermordet haben. Der Zentralrat und viele Angehörige unserer Minderheit haben sich seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland dafür eingesetzt, unsere Identität und Würde zurückzugewinnen, welche uns die Nazis und auch die Nachkriegsgesellschaft nehmen wollten. Wir haben dafür gekämpft als gleichberechtigte Bürger in allen Bereichen von Gesellschaft und Politik teilhaben zu können.

Der Zentralrat hat hier eine klare politische Position bestimmt, die vom überwiegenden Teil unserer Menschen mitgetragen wird. Wir alle wissen, wie damals plötzlich die sogenannte Sinti Allianz bei unserem Denkmal den Begriff „Zigeuner“ in die Inschrift des Denkmals aufnehmen lassen wollte. Wir haben das verhindert.

Als Argument für die im Internet verbreiteten Unwahrheiten wird das Interview von Romani Rose im „Kamingespräch“ mit Elmar Theveßen angeführt, welches am 02.06.2013 auf dem Kanal Phoenix ausgestrahlt wurde. Er erklärt darin, warum wir die Fremdbezeichnung „Zigeuner“ ablehnen und dass wir uns schon immer selbst als Sinti bezeichnen. Der Zentralrat hat es durchgesetzt, dass die Bundesregierung und die internationalen Organisationen wie zum Beispiel die OSZE nicht nur von Roma, sondern auch von Sinti sprechen. Auf Grund unserer Geschichte und unseres jahrhundertealten Heimatrechtes hier in Deutschland war es uns deshalb besonders wichtig unsere Organisation sehr selbstbewusst Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zu nennen.

Laut Europarat leben in Europa zwischen 10 und 12 Millionen Angehörige der Minderheit. Der überwiegende Teil lebt in Ost- und Südosteuropa und bezeichnet sich als Roma, die sich dort in den letzten 40 Jahren politisch organisiert haben. So leben in Deutschland schätzungsweise 70.000 deutsche Sinti und Roma. Manche internationale Regierungsorganisationen verwenden deshalb einen allgemeinen Oberbegriff ‚Roma‘.

Mein Vorstand und ich versichern euch hier noch einmal: Wir bezeichnen uns heute als Sinti, morgen als Sinti und in der Zukunft als Sinti. Diesen Anspruch geben wir nicht auf. Wir bestehen auf unser Recht und unsere Souveränität, so bezeichnet zu werden, wie wir selbst bezeichnet werden wollen. Das bringt Romani Rose auch in dem oben genannten Interview zum Ausdruck.

Es ist der Erfolg des Zentralrats, dass der Staat und die Gesellschaft ihre Verantwortung für den jahrhundertealten Rassismus und Antiziganismus zunehmend anerkennen und unsere Selbstbezeichnung als Sinti und Roma in Deutschland respektieren.

Auf Grund unserer gemeinsamen Erfahrung der Geschichte, in der über 500.000 Sinti und Roma in Nazi-Deutschland und im NS-besetzten Europa verfolgt und ermordet wurden, empfinden wir es als beschämend, wenn hetzerische Parolen gegen Roma jetzt in dieser Debatte von Sinti geäußert werden, wie sie bisher nur von Rassisten und Rechtsextremisten verwendet werden. Solche Äußerungen weisen wir entschieden zurück.
Das Ziel unserer Arbeit muss darauf ausgerichtet sein, unseren Kindern ihre Zukunft zu sichern. In ganz Europa marschieren wieder Neo-Nazis auf. Sie betreiben wieder Hetze gegen unsere Minderheit und gegen Juden. Die NPD hat 2013, wie ihr alle wisst, einen hetzerischen Wahlkampf betrieben, der sich gegen unsere Minderheit gerichtet hat. Dem haben wir uns entgegen gestellt.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma tritt weiterhin für Rechtsstaat und Demokratie ein und wir werden jeder Form von Rassismus in Deutschland und Europa entgegen treten. Die Erinnerung an die Geschichte ist die Verpflichtung, dass die Verbrechen an unseren Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesrepublik Deutschland die Gräber unserer Überlebenden zur Erinnerung dauerhaft erhält, was durch das hartnäckige Engagement des Zentralrats zwischenzeitlich erreicht wurde.

Diese Kampagne mit Unwahrheiten dient nicht dem Interesse unserer Menschen, sondern sie hat nur das Ziel, die Arbeit zu schwächen und darauf lassen wir uns nicht ein. Deshalb bedanken wir uns bei all denen, die das erkannt und sich hier gemeldet haben. Wir müssen gemeinsam für unsere Rechte und unsere Sicherheit in der Zukunft eintreten. Dafür laden wir Euch alle ein, auch in unser Haus.

Für den Vorstand am 13. April 2017

Romani Rose
Jacques Delfeld
Matthäus Weiß
Oswald Marschall
Erich Schneeberger

Otto Pankok – Verfolgter Maler, Maler der Verfolgten

am Donnerstag, 2. Februar 2017 um 19.00 Uhr in der Landeszentrale für Politische Bildung, Am Kronberger Hof 6, 55116 Mainz

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt des Landtages „Verfolgte Künstlerinnen und Künstler im Nationalsozialismus“ wird Jürgen Vits in einem Bildvortrag Otto Pankoks Künstlerleben (1893-1966) darstellen, das über weite Strecken durch Kriege und Verfolgung geprägt war . Jürgen Vits ist Mitglied bei „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und der „Gesellschaft zur Förderung verfemter Kunst“ sowie im Beirat der Otto-Pankok-Stiftung.

Mit seinen eindringlichen Menschenbildern geriet Otto Pankok in das Visier der Nationalsozialisten. Seine Arbeiten wurden schon bald geächtet und als „entartet“ diffamiert. Trotz des verhängten Berufs- und Ausstellungsverbots setzte Otto Pankok im Verborgenen sein widerständiges Kunstschaffen fort. Große Beachtung finden noch heute vor allem seine Menschenbilder (darunter viele Sinti-Porträts) , welche überwiegend Benachteiligte und Verfolgte am Rande der Gesellschaft darstellen. Es ist nicht zuletzt diese von Menschlichkeit und Respekt geprägte Haltung des Künstlers, die den einzigartigen Rang seiner Werke ausmacht.

Veranstalter: Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz, Verband Deutscher Sinti und Roma/Landesverband Rheinland-Pfalz

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Rheinland-Pfalz trauert um Daweli Reinhardt

Wir trauern um unseren langjährigen Freund und Weggefährten Daweli Reinhardt, der nach langer schwerer Krankheit am 10. Dezember verstorben ist. Der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, Jacques Delfeld, gab seiner Betroffenheit und Trauer mit folgenden Worten Ausdruck: „Mit großem Respekt und Anerkennung verneige ich mich vor einem Menschen mit außerordentlicher Persönlichkeit, der als Überlebender von Auschwitz einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung und Verständigung zwischen Sinti und Nicht- Sinti geleistet hat.“ 

Daweli Reinhardt gehörte zu den bekanntesten Gitarristen seiner Zeit und konnte seit den 1960iger Jahren internationale Erfolge feiern. Er wurde als Mitbegründer des Schnuckenack-Reinhardt-Quintetts zu einem der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Sinti-Swing. Sein Name steht wie kaum ein anderer für den kulturellen Beitrag unserer Minderheit zu ihrem Heimatland. 

Daweli Reinhardt hatte sich vor allem in der Bürgerrechtsarbeit engagiert, zunächst beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg, später bei der Verbandsgründung des rheinland-pfälzischen Landesverbands, dessen Vorstand er lange Zeit angehörte. Seinem Anliegen, über die Verfolgung der Sinti und Roma aufzuklären ist er als Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz, das weltweit zum Synonym nationalsozialistischer Menschheitsverbrechen geworden ist, jahrzehntelang mit entschiedenem Einsatz nachgekommen. Dabei standen für ihn immer Versöhnung und Verständigung im Vordergrund.

2009 wurde Daweli Reinhard mit dem Verdienstorden, der höchsten Auszeichnung des Landes Rheinland Pfalz,  geehrt. Er ist ein wichtiger Träger und Überlieferer der Kultur und Tradition unserer Sinti, der durch seine Musik und auch durch seine beeindruckende Persönlichkeit ein Vorbild für die Jugend ist.

Wir werden ihn immer als einen Freund und Wegbegleiter von unschätzbarem Wert ehren.

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Kranzniederlegung in Koblenz

Anlässlich des 74. Jahrestages von Himmlers „Auschwitz-Erlass“ am Freitag, den 16. Dezember 2016 um 15.00 Uhr am Gedenkstein für die ermordeten Sinti und Roma am Peter-Altmeier-Ufer  

Zur Erinnerung an die während des Nationalsozialismus deportierten und ermordeten Sinti legt der stellvertretende Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma und Leiter des Kultur- und Beratungsbüros für Sinti und Roma in Koblenz, Herr Django Reinhardt, am Mahnmal für die Sinti in Koblenz einen Kranz nieder.

Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Himmler als so genannter „Reichsführer SS“ und Leiter des Reichssicherheitshauptamtes den „Auschwitz-Erlass“, der alle noch im Reichsgebiet verbliebenen Sinti und Roma erfasste. Vom März 1943 an wurden aufgrund des Erlasses europaweit über 22 000 Sinti und Roma in ganzen Familien, von den Kleinkindern bis zu den alten Menschen, direkt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Unter ihnen waren 40 Männer, 44 Frauen und 65 Kinder aus dem Regierungsbezirk Koblenz, die am 10. März 1943 in die Züge der Reichsbahn gezwungen wurden. Von keiner Seite der Bevölkerung kam Widerspruch gegen die Deportation der meist katholischen und seit Jahrhunderten im Reichsgebiet beheimateten Sinti und Roma.

Im Bundesrat wird aus demselben Anlass alljährlich der Opfer des Völkermordes an den Sinti und Roma gedacht. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten 500 000 Sinti und Roma aus rassischen Gründen.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind zu der Kranzniederlegung eingeladen.

 

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Mit großer Trauer und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Reinhold Lagrene

Der gesamte Vorstand des rheinland-pfälzischen Landesverbandes trauert um den Verlust eines seit Anbeginn der Bürgerrechtsarbeit aktiven Kämpfers für Gerechtigkeit. Reinhold Lagrene hat die Verbandsarbeit in Rheinland-Pfalz über 10 Jahre hinweg als Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender maßgeblich geprägt und tatkräftig unterstützt. „Herr Lagrene hatte die Fähigkeit, mit seinem fundierten Wissen über die Sprache der Sinti und Roma und über die Geschichte der Minderheit die Menschen zu überzeugen. Er war ein großer Botschafter unserer Kultur der Sinti und wir verlieren mit ihm einen außergewöhnlichen Menschen, einen großen Freund.“, so Jacques Delfeld.

Der Vorsitzende des Zentralrats und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma Romani Rose gab seiner Betroffenheit über den plötzlichen Tod Reinhold Lagrenes mit folgenden Worten Ausdruck: „Mit Reinhold Lagrene verlieren die deutschen Sinti und Roma einen engagierten Mitstreiter der ersten Stunde. Ich selbst verliere einen Weggefährten und Freund. Wir werden seine liebenswerte und besonnene Art schmerzlich vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“

Reinhold Lagrene gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma, für die er sich seit Anfang der 1970er Jahre engagierte. Seit der Gründung des Zentralrats im Jahr 1982 war er dessen Vorstandsmitglied und seit 2015 stellvertretender Vorsitzender. Anfang der 1990er Jahre war er maßgeblich am Aufbau des Dokumentationszentrums in Heidelberg beteiligt und wurde hier ebenfalls in den Vorstand gewählt. Nach langjähriger Tätigkeit in den Landesverbänden deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz übernahm er im Januar 2001 die Leitung des neu eingerichteten Referats Bildung im Dokumentationszentrum.

Besonders am Herzen lag Reinhold Lagrene die Erzählkunst deutscher Sinti und die Minderheitensprache Romanes, für deren Erhalt und Förderung er sich intensiv einsetzte. Seine besondere Liebe galt der Lyrik. Er hat in den letzten Jahren zahlreiche Gedichte berühmter Autoren wie Hölderlin, Goethe und Mörike ins Romanes übertragen und eigene Erzählungen und Gedichte verfasst.

Seine Biographie war geprägt von den Erfahrungen der Minderheit im Nationalsozialismus. Beide Eltern waren Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Zahlreiche Angehörige der Familie waren dem Völkermord zum Opfer gefallen. In einem vor wenigen Monaten entstandenen Interview spricht Reinhold Lagrene sehr persönlich über sein Aufwachsen im Schatten von Auschwitz und die fortgesetzte Ausgrenzung der Minderheit im Nachkriegsdeutschland. Als Referatsleiter im Dokumentationszentrum setzte er sich vor allem für bessere Zukunftschancen der jungen Generation der Sinti und Roma ein. In einem 2015 veröffentlichten Aufsatz schreibt er: „Deutsche Sinti und Roma sind keine Opfer mehr. Sie sind in vielen Bereichen mit der Gesellschaft verbunden.“

Reinhold Lagrene ist am 29. November 2016 nach kurzer und schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren in Mannheim verstorben. Er ist am Friedhof Käfertal in Mannheim beerdigt.

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