Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit deutscher Sinti und Roma“

Die vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma entwickelte Ausstellung wird vom 14. Mai bis 12. August 2018 in der Gedenkstätte KZ Osthofen gezeigt.

Filmvorführung und Diskussion „Roma: Bürger zweiter Klasse?“                am 13. Juni 2018 um 18 Uhr in der Gedenkstätte KZ Osthofen

Die französischen Filmemacher gehen in ganz Europa der Frage nach, weshalb sich Klischees und Vorurteile gegen Roma bis heute hartnäckig halten, wer die Roma wirklich sind, wie sie leben und welche Rolle sie heute in Europa spielen.

Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit Jacques Delfeld statt, dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz. Warum begegnet die Mehrheitsbevölkerung gerade dieser Minderheit mit so viel Hass und Misstrauen? Der 90-minütige Dokumentationsfilm von Samuel Lajus beleuchtet die Wirkungsweisen und Dimensionen des Antiziganismus in Europa. Er porträtiert Menschen, die täglich Diskriminierung und Ausgrenzung erleben und Angehörige der Minderheit, die politisch gegen den Antiziganismus kämpfen.

 

Die Ausstellung zeigt die Meilensteine der Bürgerrechtsarbeit von der Gründung des damals „Zentral-Komitee der Sinti West-Deutschlands“ genannten Sinti-Verbands im Jahr 1971 bis zur heutigen Arbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Fotografien aus fünf Jahrzehnten lenken den Blick auf bekannte und bisher weniger bekannte Ereignisse der Bürgerrechtsarbeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die NS-Verbrechen an Sinti und Roma über Jahrzehnte hinweg beschwiegen und die Überlebenden erneut ausgegrenzt und ins Abseits gedrängt. Die Verantwortlichen des Völkermordes hingegen konnten in vielen Fällen als respektierte Mitglieder der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft weiterleben und ohne Angst vor Bestrafung ihre Karrieren fortsetzen. Der Bürgerrechtsbewegung deutscher Sinti und Roma ist es gelungen, die NS-Vergangenheit zum gesellschaftlichen Thema zu machen und immer wieder erfolgreich für die Belange der Minderheit einzutreten.

Neben vielen einzelnen Persönlichkeiten werden die aufsehenerregenden Aktionen, wie etwa der Hungerstreik im ehemaligen Konzentrationslager Dachau 1980, näher beleuchtet. Dabei sehen die Ausstellungsmacher die Bürgerrechtsarbeit noch lange nicht als abgeschlossen und richten sich mit ihrer Präsentation auch an jungen Menschen, die diesen Weg weiter gehen werden. In Anbetracht eines bis heute weit verbreiteten Antiziganismus und der schwierigen Lage von Sinti und Roma in vielen Ländern Europas, handelt es sich um die historische Einbettung eines sehr aktuellen Themas. Das Eintreten für Gleichberechtigung und Menschenrechte, von dem die Ausstellung berichtet, ist bis heute notwendig.

 

 

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