Politik / Öffentlichkeitsarbeit

Eine Roma-Familie mietet eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Noch bevor sie einzieht, äußern Eigentümer anderer Wohnungen die Befürchtung, dass sich „die Familie aufgrund der Herkunft und Lebenseinstellung nicht in die Ordnung des Hauses eingliedert und es zur nachhaltigen Störung des häuslichen Friedens kommt.“

Beispiele wie dieses bilden keine Ausnahme: Sinti und Roma werden im Alltagsleben benachteiligt, weil sie einer Minderheit angehören, der die Mehrheit mit Vorurteilen begegnet. Gesetze allein schützen nicht vor Ungleichbehandlung. Doch geben sie Mittel an die Hand, sich gegen willkürliche Entscheidungen zu wehren.

Mit dem „Europäischen Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten“ und der „Europäischen Charta für Minderheiten- und Regionalsprachen“ wurden Ziele erreicht, für die sich der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma nachhaltig eingesetzt hatte. Sie schreiben die Rechte von Sinti und Roma fest und garantieren ihnen Minderheitenschutz. Mit der Unterzeichnung ist die Bundesrepublik Deutschland eine völkerrechtliche Verpflichtung eingegangen.

Um die Konventionen umzusetzen, schloss die rheinland-pfälzische Landesregierung 2005 eine Rahmenvereinbarung mit dem Landesverband. Diese fördert nicht nur die Arbeit des Verbandes und schützt Sinti und Roma vor Diskriminierung, sondern berücksichtigt auch weitere Lebensbereiche: Beispielsweise  werden Sinti und Roma künftig in Bildung und Erziehung unterstützt, um ihnen in allen Bildungsstufen gleiche Chancen zu gewähren.  Zum Schutz und Erhalt der Kultur werden freiwillige Zusatzangebote in der Minderheitensprache Romanes gefördert.

Der Landesverband vertritt die Interessen von Sinti und Roma im politischen Bereich.  Zugleich bietet er ihnen rechtliche und soziale Betreuung. Er hilft bei Fragen zu Schule, Ausbildung, Beruf über die Wohnverhältnisse bis zur Rechtsberatung oder bei diskriminierender Behördenpraxis und daraus resultierender Benachteiligung.

Nach vielen Jahren beharrlicher Bürgerrechtsarbeit hat im gesellschaftlichen Bereich ein Wandel im Umgang mit Sinti und Roma eingesetzt. Er ist auch darauf zurückzuführen, dass Vorurteile abgebaut wurden, indem man Begegnungen zwischen den Kulturen herbeigeführt hat.