Entschädigung / Gedenkarbeit / Ausstellung

„Sinti“ und „Roma“ sind Begriffe aus der Minderheitensprache Romanes, die die Familien neben der jeweiligen Landessprache verwenden. „Sinti“ bezeichnet die in Mitteleuropa, „Roma“ die in Südosteuropa beheimateten Angehörigen der Volksgruppe. Sinti und Roma leben als ethnische Minderheit seit dem 14. Jahrhundert auf deutschsprachigem Gebiet. Die Zahl deutscher Sinti und Roma wird heute auf ca. 80.000 geschätzt, etwa 8.000 wohnen in Rheinland-Pfalz.

Die Geschichte der Sinti und Roma ist gekennzeichnet von Verfolgung und Diskriminierung durch Mehrheitsgesellschaften. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts verhinderten deutsche Behörden, dass sie sich in ihren Heimatregionen sesshaft machen konnten. In der Weimarer Republik erfassten Sonderzentralen Sinti und Roma, obwohl dies gegen die Verfassung verstieß. Während des Nationalsozialismus wurden sie verfolgt, deportiert, in Vernichtungs- und Konzentrationslager verschleppt. Mehr als eine halbe Million Sinti und Roma wurden in Deutschland und in von Deutschen besetzten Gebieten umgebracht. Ihr kulturelles Erbe wurde weitgehend zerstört.

Erst 1982 wurde der Völkermord an den deutschen Sinti und Roma durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt als rassische Verfolgung anerkannt.

Eine dringliche Aufgabe des Landesverbandes bestand nicht nur darin, Entschädigungsforderungen verfolgter und enteigneter Sinti und Roma durchzusetzen. Auch in der Erinnerungs- und Gedenkarbeit mussten „blinde Flecken“ gefüllt werden: Politische und gesellschaftliche Instanzen „übersahen“ nur zu gern das Unrecht, das dieser Volksgruppe widerfahren war. Erst durch engagierten Einsatz erhielten Sinti und Roma ihren festen Platz in Erinnerungsstätten wie im NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz, in der Gedenkstätte KZ Osthofen und Orte oder Tafeln des Gedenkens.

In der Dauerausstellung „Die Überlebenden sind die Ausnahme“ im Frank-Loebschen-Haus in Landau haben erstmals Sinti und Roma selbst ihre Geschichte erarbeitet und aufbereitet. Sie zeigt nicht nur den Völkermord anhand von Fotos und Dokumenten, sondern lässt Zeitzeugen zu Wort kommen: Ihre Erfahrungen und Erinnerungen stehen im Mittelpunkt. Zugleich verdeutlicht die Ausstellung, dass Sinti und Roma seit Jahrhunderten in der Pfalz verankert sind. Das transportable Exemplar dieser Ausstellung kann auf Anfrage beim Verband ausgeliehen werden.