Internationaler Roma-Tag von antiziganistischen Ressentiments überschattet

Der 8. April gilt unter Sinti und Roma seit 1971 weltweit als internationaler Aktionstag, um an die prekäre Situation dieser Minderheit in ihren jeweiligen Heimatländern aufmerksam zu machen. In Deutschland und im europäischen Kontext erinnern Roma und Nicht-Roma an die Opfer des Nationalsozialismus. Weiterhin ist es ein Anliegen des internationalen Roma-Tages, auf die aktuell existierenden Ressentiments, Diskriminierungen und Ausgrenzungen von Sinti und Roma aufmerksam zu machen.

Die Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber Sinti und Roma nimmt laut Jacques Delfeld, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz, aktuell wieder in besorgniserregender Weise zu. Diese werden z.B. in Bulgarien und Rumänien wieder als Sündenböcke für die aktuelle Corona Krise missbraucht. Es ist besonders in dieser Krisenzeit wichtig darauf zu achten, Sinti und Roma den Zugang zu den gesellschaftlichen Institutionen zu sichern und damit deren Teilhabe am sozialen Leben zu gewährleisten.

Es gehe nicht an, bestehende Ausgrenzung Mechanismen zu dulden und diese Menschen – besonders in der aktuellen Lage – faktisch von jeglicher Grundversorgung abzuschneiden. Der Tagesspiegel berichtet, dass in Bulgarien bereits mehrere von Sinti und Roma bewohnte Stadtviertel abgeriegelt worden seien. Damit würden Roma rechtswidrig von jeder medizinischen Versorgung, der Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs abgeschnitten. Ein solcher Zustand ist nicht hinnehmbar und auch nicht mit den demokratischen Grundwerten der EU vereinbar. Diesen antiziganistischen Entwicklungen müssen die entsprechenden Mitgliedsländer entschieden entgegentreten. Mit der Abriegelung der Siedlungen in Bulgarien und Rumänien hat sich die Diskriminierung gegen die Roma intensiviert und eine neue Dimension erreicht.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich in der aktuellen Situation der „Antiziganismus-Virus“ genauso ungehemmt entfaltet wie das Covid-19-Virus. Anstatt die abgeriegelten Roma Siedlungen mit Wasser, Lebensmitteln und medizinischen Versorgung und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs zu unterstützen, bedienen und reproduzieren einige europäische Politiker weiter antiziganistische Ressentiments. Die EU-Kommission und Regierungen müssen Maßnahmen ausarbeiten, in denen sie auch in der aktuellen Corona-Krise sicherstellen, dass der Schutz der Roma-Siedlungen berücksichtigt wird.

Der Verband Deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz fordert die Bundesregierung, die Institutionen der EU und deren Mitgliedsstaaten dazu auf, gerade in Zeiten der Corona-Krise ein klares und hörbares Zeichen gegen Antiziganismus zu setzen und die Versorgung mit Trinkwasser, Lebens- und Hygienemittel, sowie medizinischen Produkten zu gewährleisten. Diese Maßnahmen müssen von der EU und den jeweiligen nationalen Regierungen stärker in den Fokus der politischen Aufmerksamkeit rücken.

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