Ausbau der Beratungsstrukturen

 

Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz“ fordert den Ausbau der Beratungsstrukturen und die bessere Umsetzung von Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierungen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG)Netzwerk_Logo

 

Zu einem ersten regionalen Werkstattgespräch nach Landau hatte das „Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz“ heute eingeladen. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Initiativen in der Antidiskriminierungsarbeit in Rheinland-Pfalz und wurde im Juni 2012 in Mainz gegründet. Es setzt sich für Gleichberechtigung, Akzeptanz und Selbstbestimmung von Personen und Gruppen ein, die von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen sind. Eine wichtige Aufgabe ist der Aufbau einer Beratungsstruktur für betroffene Menschen. Das Ziel besteht darin, die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren, es in die Öffentlichkeit zu tragen und starke Signale für Gleichbehandlung zu setzen.

 

Die Arbeit der Netzwerkmitglieder und Kooperationspartner orientiert sich an den Zielen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Danach darf niemand wegen seiner ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität benachteiligt werden. Das gemeinsame Verständnis geht jedoch über die im AGG genannten Merkmale hinaus und verwehrt sich gegen jegliche Form von Diskriminierung – diese wird als Ganzes und nicht nur bezogen auf ein bestimmtes Merkmal betrachtet.

 

Im Werkstattgespräch stellte das Netzwerk seine Arbeit bei den regional in und um Landau ansässigen Vertreterinnen und Vertreter von Behörden, Beratungsstellen und Multipli-katorInnen im Kontext der Antidiskriminierungsarbeit vor, verständigte sich mit ihnen über die aktuell vorhandenen Beratungsangebote und entwickelte gemeinsam eine weitere Strukturierung für die unterschiedlichen Diskriminierungen. Vor dem Hintergrund des zehnjährigen Bestehens des AGG kritisierten die TeilnehmerInnen des Werkstattgesprächs die bislang unzureichenden Beratungsstrukturen in Rheinland-Pfalz und verlangten gezielte Projekte auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene zum Abbau von Diskriminie-rungen. Herr Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron machte in seinem Grußwort die Bedeutung der Antidiskriminierungsarbeit für ein gleichberechtigtes Zusammenleben in der Gesellschaft deutlich.
Joachim Schulte
Sprecher des Netzwerk diskriminierungsfreies RLP
Gartenfeldplatz 9

55118 Mainz

 

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Der Verband Deutscher Sinti und Roma trauert um Franz Merstein (1933-2016)

Am Freitag, den 20.6.2016 verstarb Franz Merstein in Rülzheim, kurz vor seinem 83sten Geburtstag. Er war dem Verband Deutscher Sinti und Roma über viele Jahre eng verbunden.

Merstein.Nachruf

Als Holocaust-Überlebender hat er an zahlreichen Veranstaltungen unserer Institution teilgenommen. Sein Leben war geprägt von der furchtbaren Verfolgungserfahrung, die er als Kind auf der Flucht und in Konzentrationslagern machen musste. Seine Familie lebte seit Generationen in Deutschland bevor sie von den Nazis systematisch entrechtet und verfolgt wurde. Seine Mutter und seine Geschwister wurden in Auschwitz ermordet, er selbst befand sich zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung bei einer Tante die noch am gleichen Tag mit ihm, dem damals siebenjährigen Jungen, in der Illegalität untertauchte. Schon nach kurzer Zeit wurden sie entdeckt und Franz Merstein wurde über Jahre in den Vernichtungslagern im von den Nationalsozialisten besetzten Polen inhaftiert.

Trotz dieser traumatischen Erlebnisse und dem Verlust vieler Angehörigen hat sich Franz Merstein schon früh als Zeitzeuge engagiert. Er hat sich dabei nie auf die Rolle eines passiven Opfers reduzieren lassen, unermüdlich hat er im Dialog mit der Politik auf Gedenkveranstaltungen, in der Staatskanzlei der Landesregierung in Mainz und in Schulen Zeugnis vom eigenen Leidensweg abgelegt und an die Gräuel der Nazi-Barbarei erinnert.

Dafür verdient er den Dank der deutschen Sinti und Roma, für deren Anerkennung er soviel getan hat.

Landau, den 24. Juni 2016

Jacques Delfeld, sen.

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